Was spricht gegen das Jurastudium? 5 Gründe

In diesem Artikel geht es ausnahmsweise um die schlechten Seiten des Jurastudiums.

Ich bin ein positiver Mensch und stehe dazu! Für mich ist das Glas Wasser immer halb voll. Eine positive Grundhaltung ist wichtig, wenn man durch das Leben geht! So sehe ich auch das Jurastudium, für das ich trotz aller Schwierigkeiten, die es mit sich bringt, stets werbe. Das heißt aber nicht, dass ich ein Realitätsverweigerer bin. Hier also fünf Gründe, warum man Jura (vielleicht) nicht studieren sollte.

1. JURA dauert

Es dauert wirklich lange. Gerade in Zeiten von Bologna – nach drei Jahren hat man in der Regelstudienzeit schon den Bachelorabschluss und mit einem Jahr oben drauf den Master. In dieser Zeitspanne geht es bei Jura erst los! Wer Glück hat, hat nach acht Semestern das 1. Staatsexamen. Referendariat und Praxiserfahrungen sind zu diesem Zeitpunkt nicht in Sicht. Noch weigern sich die Universitäten trotz Bologna beharrlich, das Jurastudium einer Verkürzungskur zu unterziehen. Mit einem Bachelor oder Master, der das Staatsexamen ablösen könnte, ist in naher Zukunft also nicht zu rechnen.

2. Ein verrücktes Notensystem

Die Abhängigkeit der Noten für den Erfolg des Studiums ist enorm. Vor allem die Note im Staatsexamen soll entscheidend sein, ob man später als Anwalt einen guten Job bekommt. Im Laufe des Studiums kann man anderweitig außerhalb der Prüfungen keine Punkte „sammeln“. Vieles hängt somit letztlich von einer einzigen Prüfungsnote ab. Als wäre dies noch nicht genug, sind die Noten in der Regel eher  schlecht. Die Anforderungen, die gestellt werden, sind verrückt! Warum braucht man 18 Punkte, wenn der durchschnittliche Jurastudent gerade mal auf 4 kommt? Das macht keinen Sinn!

3. Unfassbar viel Lernstoff!

Schon vor dem Studium eilte die Stoffmenge seinem Ruf voraus. Verwandte haben mich davor gewarnt, Jura zu studieren. Als Optimist wollte ich das natürlich erst nicht glauben. Was „viel Stoff“ wirklich bedeutet, versteht man erst, wenn man mittendrin ist. Und es ist wirklich unfassbar viel! Das kann man sich nicht vorstellen, wenn man es nicht selbst erlebt hat. Das Schlimme: Man fängt vorne an, sich durchzuackern. Wenn man hinten angelangt ist, hat man den Stoff, den man am Anfang lernte, schon wieder vergessen – ein steter Kampf gegen das Vergessen. Nur das Medizinstudium ist vielleicht in dieser Lernmenge vergleichbar.

4. Berufschancen gut oder schlecht?

Viele würden sagen, als Jurist hat man eher schlechte Berufschancen. Ich finde nach wie vor NEIN! Keiner meiner ehemaligen Mitstudenten ist in Sachen Job leer ausgegangen, wenn sie oder er das Studium durchgezogen hat. Ich kenne niemanden, der mit zwei Staatsexamina zu Hause sitzt und den ganzen Tag Tischfußball spielt. Deswegen wehre ich mich eigentlich dagegen, zu sagen, die Jobchancen in der Rechtsbranche seien schlecht, auch wenn dies oft behauptet wird. Natürlich ist jeder „seines Glückes Schmied“. Auch die Zusatzausbildungen nach dem Studium, wie der Fachanwalt oder ein Master, sind wichtig. Aber die Berufschancen sind im Vergleich zu so manch anderen Branchen nicht schlecht. Man hat auf jeden Fall viele Möglichkeiten. Insgesamt kommt man auf jeden Fall irgendwo unter, wenn man einen gewissen Ehrgeiz an den Tag legt.

5. Nicht die beste Gesellschaft

Das Jurastudium zieht seltsame Leute an. Die, die schon studieren, wissen sicherlich schon genau, wovon ich spreche ;). Oft fragt man sich: Was geht gerade im Kopf dieser Person vor?! Zum Glück gibt es aber auch eine natürlich Auslese im Laufe des Studiums. Nicht zuletzt kann man sich natürlich immer aussuchen, mit wem man zu tun hat. Auch das sollte per se keinen Grund sein, Jura nicht zu studieren, auch wenn es ein negativer Aspekt ist.

Negativaspekt nicht gleich Gegengrund

Insgesamt sind dies alles Aspekte, die aus meiner Sicht nicht VÖLLIG GEGEN ein Jurastudium sprechen. Das Jurastudium bringt eine sehr generalistische Ausbildung, sodass man am Ende sehr breit aufgestellt ist. Man kann extrem viel damit machen. Auch wenn so manche Leser es (noch) nicht glauben: Was ihr lernt, wird später nützlich sein, besonders das Abstrahieren.

Fazit: Auch wenn ich zwischenzeitlich gezweifelt habe (Examensvorbereitung ist einfach eine besch+#-?ne Zeit!), bin ich froh, dass ich es durchgezogen habe und glücklich mit dem, was ich heute mache!

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Foto: Adobe Stock/ HEIDEMARIE

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