digitales Jurastudium

Um den Herausforderungen des digitalen Semesters entgegenzuwirken, hat der Bundesverband rechtswissenschaftlicher Fachschaften (BRF) eine Linksammlung ins Leben gerufen und damit die Digitalisierung des Lehrbetriebs weiter angestoßen. Was als Idee der Kieler Jura-Fachschaft begann, hat sich mittlerweile zu einem beliebten Angebot für Jurastudierende entwickelt – in diesem Beitrag berichten Eric Skopke und Colja Ternes vom BRF, warum damit die Arbeit noch nicht getan ist und was nun mit der von ihnen erstellten Plattform geschehen soll.

Die Herausforderung – unterschiedliche Zugänglichkeit zu Lehrmaterialien

Mit der Einstellung des Präsenzlehrbetriebs an den Universitäten sind die Studierenden mehr denn je auf Eigenverantwortung und das Selbststudium von zu Hause aus angewiesen. Die Tatsache, dass sie sich keine „physisch greifbaren“ Medien wie Lehrbücher beschaffen können, stellt die reibungslose Studierbarkeit der Rechtswissenschaften jedoch auf die Probe: Die Zugänglichkeit von Lehrmaterialien ist von Fakultät zu Fakultät sehr unterschiedlich.

Der Bundesverband rechtswissenschaftlicher Fachschaften e.V. (BRF) ist nicht nur Sprachrohr der Studierendeninteressen gegenüber der Politik und Dritten, er ist insbesondere Plattform für Austausch und Vernetzung der lokalen Fachschaften quer durch die Bundesrepublik.  „Wer macht was wie womit?” könnte die kolloquiale Formulierung der Frage nach dem Umgang mit den universitären Einschränkungen aufgrund des Coronavirus sein. Fest steht: Alle sitzen im selben Boot. Was also kann eine Initiative, die  von Studierenden für Studierende gemacht  wurde, in dieser Zeit leisten?

Die Idee – eine bundesweite Lernplattform

Angesichts der ersten Allgemeinverfügungen machte sich in der Studierendenschaft Ungewissheit und Beklommenheit im Hinblick auf das Stattfinden von Präsenzlehre breit. Digitale Formate waren – abhängig von der dozierenden Person – in der Vergangenheit mitunter stiefmütterlich behandelt worden, sodass aufgrund der unterschiedlichen digitalen Know-hows, Erfahrungen und Infrastruktur der Eindruck entstand, dass der Erfolg im Studium nun umso mehr vom Studienort abhängen könnte. Dies hätte Folgen für den jeweiligen individuellen Studienverlauf.

In Kiel entstand indes der Gedanke einer bundesweiten Lernplattform. Hierzu wollte man bundesweit Dozierende dazu ermutigen, ihre Vorlesungen in den Grundlagenfächern auf dieser Plattform zu streamen, damit jene Vorlesung somit allen Studierenden zur Verfügung steht und ein erfolgreicher Studienverlauf im Sommersemester unterstützt werden kann.

Um ein solches Projekt umsetzen zu können, wandte sich die Kieler Fachschaft an den BRF, um ein mögliches Vorgehen zu besprechen. Der Vorstand des BRF rief die Projektgruppe  „Digitale Lehre” ins Leben, die mit der Umsetzung des Vorhabens beauftragt wurde. Prämisse des Vorhabens war und ist die Zugänglichkeit von Studienmaterial für jede*n Studierende*n, unabhängig von universitäts-fakultärer Durchführung eines digitalen Semesters.

Um dieses Ziel umzusetzen, wurde eine dreigliedrige Vorgehensweise festgelegt:

  1. Zusammentragen des frei zugänglichen Angebots an Lehrmaterial,
  2. Sammlung digital erfahrener Professor*innen,
  3. Erstellen der eigentlichen Lernplattform.

Durch eine Vielzahl von Rückmeldungen aus den Fachschaften und vieler Dozent*innen konnten schon nach kurzer Zeit erste Arbeitsergebnisse auf der Website des BRF online gestellt werden. Parallel hierzu lief die Suche nach weiteren Materialien auf Hochtouren, wobei bekannte Dozierende und die Dekanate persönlich angeschrieben, auf das Projekt aufmerksam gemacht und um Mitarbeit gebeten wurden. Man stützte sich neben den Professor*innen vor allem auch auf Rückmeldungen aus den Fachschaften des Bundesgebiets.

Das Produkt – eine umfangreiche Linksammlung

Vorläufiges Produkt der Projektgruppe ist eine breit gefächerte Liste, die rund 100 Links zu den Modulen der Rechtsgebiete Zivil-, Straf- und Öffentliches Recht, aber auch zu Methodik-Inhalten umfasst und kategorisiert unter:

www.bundesfachschaft.de/themen/selbststudium/

frei abrufbar ist.

Rücklauf, Zuspruch und Hilfsbereitschaft innerhalb Studierenden und Professoren waren enorm, sodass inzwischen nahezu alle Grundvorlesungen und sogar auch einige Schwerpunktthemen abgedeckt werden können.

Ausblick – eine zentrale Lernplattform von Studierenden für Studierende?

Bei 800 bis zwischenzeitlich 1.500 Aufrufen am Tag zeigt sich, dass sich die Initiative bewährt hat – und das obwohl es sich nur um eine bloße Vermittlungsplattform handelt. Damit leister sie einen großen Beitrag hinzu dem vom BRF schon seit Jahren befürworteten Vorstoß in Sachen digitaler Lehre. Eine solche Plattform könne nach Aussage der Projektgruppe „ein Leuchtturmprojekt” für die Digitalisierung der Hochschullehre werden.

Langfristig angestrebt wird allerdings eine eigenständige Plattform, auf der die Dozent*innen ihre Materialien direkt hochladen können. Zudem könnte ein zentrales Hosting durch eine separate Website ein dauerhaft bestehendes Angebot gewährleisten, insbesondere wenn die universitäre Infrastruktur im Einzelfall dies nicht zu leisten verspricht.

Der BRF ist zuversichtlich, dass bei vorhandenen Kapazitäten in absehbarer Zeit die erste zentrale und deutschlandweite, digitale Lernplattform von Jurastudierenden für Jurastudierende online gehen kann.

An dieser Stelle gilt ein besonderer Dank all jenen Beteiligten, die sich der Umsetzung dieses Vorhabens gewidmet haben, aber insbesondere auch den Lehrstühlen und Dekanaten für ihre tatkräftige Unterstützung.

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