Die Doktorarbeit: Wann sie sich lohnt und wann nicht

Wann macht es Sinn, nach einem knochenharten Jurastudium noch die Doktorarbeit in Angriff zu nehmen? Was sollte man dabei berücksichtigen? Dr. Dominik erklärt es in diesem Beitrag.

„Produktplatzierung und duales Rundfunksystem“ – der Titel meiner Doktorarbeit. Warum habe ich diese geschrieben? Ganz ehrlich, ich wollte einfach den Titel haben! Dennoch sagt er im Grunde nichts über mein Können als Anwalt aus. Der Doktortitel beweist lediglich, dass man sich nach dem Jurastudium noch mal mindestens zwei Jahre quälen konnte. Denn um eine Doktorarbeit zu schreiben, braucht man vor allem Disziplin.

Doktorarbeit „nebenher“ funktioniert nicht

Ich kenne viele, die haben ihre Doktorarbeit nicht fertig gebracht. Sie dachten, man könne das so nebenher machen, und so ist sie dann im Kanzleialltag untergegangen. Das funktioniert in den meisten Fällen nicht. Ich habe in Teilzeit gearbeitet, als ich meine Doktorarbeit geschrieben habe: Ich war zweieinhalb Tage in der Kanzlei und habe zweieinhalb Tage an der Doktorarbeit geschrieben. Man sollte also genug Zeit einplanen.

Doktor oder LL.M.?

Würde ich die Promotion empfehlen? In jedem Fall ist es eine Zusatzqualifikation, mit der man sich von anderen abhebt. Ist es besser als der Master of Laws, also der LL.M., den man aus dem internationalen Raum kennt? Das ist Geschmacksfrage. Großkanzleien finden sicherlich sowohl den LL.M. als auch den Doktortitel gut. Der LL.M. ist aber in jedem Fall internationaler, der Doktortitel wiederum wissenschaftlicher, ist aber im Ausland eher unbekannt. Die US-Amerikaner können nicht verstehen, warum wir Deutschen mit unserem Doktor so „rummachen“. Dort hat der Titel nicht annähernd so viel Prestige wie hier. Der Ph.D., als Pendant zum Doktor, hat nicht so einen hohen gesellschaftlichen Stellenwert wie der Doktor in Deutschland. Wer sich also Richtung Ausland orientiert, ist mit dem LL.M. deutlich besser aufgehoben.

Mit dem Doktor bei Mandanten punkten

Über eines sollte man sich im Klaren sein: Die Zeit, in der man an der Doktorarbeit schreibt, ist sicherlich nicht schön. Wie beim Examen muss man sich wirklich durchbeißen. Als selbstständiger Anwalt macht man aber sicherlich Eindruck auf potenzielle Mandanten. Die wissen dann zwar nicht, wie man arbeitet und der Doktor sagt sicherlich nichts über die Qualifikation als Anwalt aus, aber ein Doktortitel ist eben ein Doktortitel!

Schreibt eure Doktorarbeit über ein Lieblingsthema

Was ich unbedingt empfehle: Organisiert es so, dass es „erträglich“ für euch ist. Sucht euch ein Thema aus, bei dem ihr euch gut auskennt und mit dem ihr euch gern beschäftigt. Bei mir war es das Medienrecht. Wenn einen ein Thema  gar nicht interessiert, ist der ganze Prozess umso zäher. Für mich persönlich ist auch der praktische Bezug wichtig.

Ich habe die Promotion damals berufsbegleitend gemacht. Dadurch hat man nicht das Gefühl, von seiner Doktorarbeit vereinnahmt zu werden und denkt nicht: „Ich komme nicht mehr raus.“ Weil ich nebenbei auch in einer Kanzlei gearbeitet habe, hatte ich einen guten Ausgleich. Zum Schluss kann es sehr stressig werden und man muss Gas geben. Meine Doktorarbeit ist natürlich nicht das „perfekte Werk“, aber das perfekte Werk gibt es nicht. Wer das perfekte Werk schreibt, schreibt immer noch daran. Die perfekte Klausur kann man auch nicht in fünf Stunden schreiben. Auch hier muss man schauen, dass man in der Zeit, die einem dafür bleibt, ans Ziel kommt.

Der „richtige“ Zeitpunkt für die Doktorarbeit

Wann habe ich die Doktorarbeit geschrieben? Bei mir war es nach dem zweiten Staatsexamen. Ich kenne auch Leute, die es nach dem ersten Staatsexamen gemacht haben. Ich wollte erst meine eigentliche berufliche Ausbildung in der Tasche haben. So konnte ich neben der Doktorarbeit arbeiten und Berufserfahrung sammeln. Andere nehmen die Doktorarbeit mit ins Referendariat – das geht alles.

Wie lange habe ich an meiner Doktorarbeit geschrieben? Ich wollte ein Jahr lang daran schreiben – im Nachhinein utopisch! Am Ende hat es dann zweieinhalb Jahre gedauert. Während meiner Teilzeitarbeit in einer Kanzlei habe ich sie nicht fertig bekommen. Dann habe ich ein Jobangebot von einem Unternehmen bekommen und auch dort anfangs in Teilzeit gearbeitet, um die Doktorarbeit fertig zu bekommen. Als ich dann aber in Vollzeit gewechselt habe, war sie immer noch nicht fertig. Um sie endlich fertig zubekommen, bin ich morgens um 6 Uhr aufgestanden, habe bis 8 an der Arbeit geschrieben und bin danach zur Arbeit gegangen. Das hat dann ungefähr noch ein dreiviertel Jahr gedauert bis ich endlich fertig war. Meine Motivationsquelle: Ich wollte endlich fertig werden! Es war anstrengend, aber ich lebe immer noch. Ihr könnt es genauso schaffen! Denkt aber immer daran, es dauert länger als geplant.

Doktorarbeit auch außerhalb der Uni möglich

Muss man für die Doktorarbeit an die Uni gehen? Nein: Ich war externer Doktorand und musste nur einmal im Jahr zum Doktorandenseminar. Die restliche Zeit konnte ich für mich in der Bibliothek schreiben und war unabhängig. Man kann das natürlich auch mit einem wissenschaftlichen Job an der Uni verbinden. Die Vorteile sind, dass man dann versichert ist und ein wenig Geld bekommt. Aber oft wird man dann vom Professor bzw. von der Professorin in Beschlag genommen und muss Vorlesungen oder Kurse halten, was viel Zeit kostet. Das hängt aber letztlich auch wieder vom Professor ab. Für mich war es die perfekte Lösung, als „Externer“ zu schreiben und nicht in die Uni eingebunden zu sein, aber das muss jeder für sich entscheiden.

Die/Den passenden Doktormutter bzw. -vater finden

Noch mal ein Hinweis zum Netzwerken: Meinen Doktorvater habe ich über ein Praktikum bei einem Fernsehsender in München kennengelernt. Mein damaliger Chef hat auch bei diesem Professor promoviert und so kam eines zum anderen. Also denkt frühzeitig daran, euer Netzwerk aufzubauen, damit ihr den passenden Doktorvater oder die passende Doktormutter findet.

In diesem Sinne, wünsche ich schon mal viel Spaß beim Promovieren!

Video zum Beitrag

Foto: Adobe Stock/zonch

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