Netzwerken Jura

Erfolg durch richtiges Verknüpfen, das verspricht Networking. Doch was genau steckt dahinter und wie können Studierende hiervon profitieren? Das und mehr erfährst Du in diesem Artikel.

Was bedeutet „Networking”?

Mit Definitionen kennt man sich im Recht bekanntlich aus. Daher hier ein Versuch, das breite Spektrum des Networkings kompakt zusammenzufassen: Es geht um das Knüpfen und Pflegen von Kontakten und Beziehungen, die dem Austausch von Informationen und dem beruflichen Fortkommen dienen. Hierbei steht – anders als bei einer klassischen Bewerbung – nicht das Fachwissen im Vordergrund, sondern vielmehr (menschliche) Kompatibilität und die Erweiterung des eigenen Kontakt-Radius.

Warum auch du netzwerken solltest

Viele Studierende haben das Gefühl, neben den Noten nicht viel Aussagekräftiges vorweisen zu können und allgemein weniger Referenzen zu haben als Juristeninnen und Juristen, die bereits jahrelang berufstätig sind.
Regelmäßig wird sich die Frage: „Warum sollte gerade ich (…)?” gestellt und viel zu selten: „Deshalb sollte gerade ich (…)” gesagt. Du hast etwas zu bieten, doch wie sollen potenzielle Arbeitgeber hierauf aufmerksam werden? Neben der klassischen Bewerbung alternative Wege zu kennen, einen „Fuß in die Tür“ zu bekommen, zahlt sich also aus. Die Persönlichkeit hinter dem Lebenslauf zu kennen kann dir in vielen Situationen den Einstieg ins Berufsleben erleichtern und dir unvorhergesehene Chancen eröffnen.

Was zeichnet ein gutes Netzwerk aus?

Qualität über Quantität. Beschränke dich lieber auf ausgewählte Kontakte, Initiativen und Gruppen, mit denen du dich identifizieren kannst.

Zu den Grundpfeilern eines gesunden Netzwerks zählen außerdem Nachhaltigkeit und Stabilität. Baut man „über Nacht” durch zufälliges Hinzufügen oder Kontaktieren (vermeintlich) ein Netzwerk auf, dass nicht zum eigenen Ziel oder Thema passt, so ist es fraglich, wie nachhaltig das Netzwerk ist. In puncto Stabilität ist die regelmäßige Pflege des Netzwerks entscheidend: Auf ein stabiles Netzwerk kann man sich verlassen. Wird die Energie jedoch nur in das schnelle „Zusammenklicken” beispielsweise auf LinkedIn oder ähnlichen Plattformen beschränkt und die beständige Pflege vernachlässigt, so ist das Netzwerk instabil und bietet keinen Mehrwert.

Arten des Netzwerkens

Es gibt eine Vielzahl an Möglichkeiten, dich mit interessanten Menschen zu vernetzen. Es ist ratsam, mehrere Kommunikationswege zu nutzen und dich dann auf zwei bis drei zu spezialisieren, mit denen du dich wohl fühlst.

Veranstaltungen

Online, als Hybrid-Modell oder vor Ort: Um interessante Veranstaltungen zu finden, gilt es Ohren und Augen offenzuhalten. Viele Portale, Unternehmen und Unis teilen regelmäßig bevorstehende Veranstaltungen, zu denen du dich anmelden kannst. Auch bieten vor allem Großkanzleien häufig In-House Events und Vorträge zu verschiedenen Schwerpunkten an. Der Vorteil: Studierende knüpfen erste Kontakte, vertiefen ihr Wissen zu bestimmten Themen und Kanzleien machen die nächste Generation von Juristinnen und Juristen auf sich aufmerksam. Auf Jobmessen wie der JuraCon oder an den Unis versammeln sich regelmäßig viele spannende Arbeitgeber aus den verschiedensten Branchen und warten nur darauf, von interessierten Studierenden angesprochen zu werden. Hier ergeben sich zielgerichtete Gespräche – fast – von allein.

Soziale Netzwerke

Social Media ist längst zu einem Kanal geworden, durch den sich auch berufliche Kontakte ergeben können.
Es gibt die Möglichkeit, den privaten Social Media Account „zweigleisig” zu gestalten, also neben (ausgewählten) privaten Eindrücken auch seinen beruflichen oder universitären Schwerpunkt zu präsentieren und beispielsweise Einblicke aus dem Studentenleben zu gewähren. Der Schwerpunkt liegt insbesondere darin, Gleichgesinnte zu finden, in Austausch über Herausforderungen und Ideen zu treten und sich gegenseitig auf unkomplizierte Art und Weise zu unterstützen. Durch gegenseitiges Folgen, Kommentieren, Teilen und liken kommt man schnell ins Gespräch und netzwerkt ganz „nebenbei”.

Berufliche Netzwerke

Plattformen wie Xing und LinkedIn sind schon längst keine reinen Stellenportale mehr, sondern kombinieren smartes Netzwerken mit einer digitalen Jobbörse. Auch für Studierende macht es in jedem Fall Sinn, sich ein aussagekräftiges Profil anzulegen und aktiv zu werden. Vernetze dich mit Leuten, deren Interessen du teilst oder mit Unternehmen und deren Mitarbeitenden, die beispielsweise für das Recruiting zuständig sind. Bevor du die andere Person „blind” hinzugefügt, solltest du einen Blick auf das Profil werfen und zu der Anfrage eine kurze Nachricht verfassen. So machst du bereits einen positiven ersten Eindruck – und die Wahrscheinlichkeit steigt, dass die Person dich in ihr Netzwerk aufnimmt.
Ein kleiner Tipp, den du sofort für dein Profil umsetzen kannst: Baue Begriffe und Keywords in dein Profil ein, die du auch in den Stellenausschreibungen deiner Traum-Jobs findest und mache so Recruiter auf dich aufmerksam.

Networking Schritt für Schritt

Beantworte dir folgende Fragen

  • Was ist mein Ziel beim Netzwerken?
  • Welche Qualitäten, Fähigkeiten und Fertigkeiten bringe ich mit und welche nicht?
  • Wofür stehe ich? Was sind meine Themen?
  • Welche Menschen möchte ich in meinem Netzwerken haben?

Geben und Nehmen, dieses Prinzip gilt auch beim Networking. Besonders im Studium  sowie beim Berufseinstieg fällt es manchmal schwer herauszufinden, was man selbst anderen geben kann. Mach dich also auf die Suche nach deinen Talenten und Fähigkeiten, die über das reine Studienwissen hinausgehen. Diese müssen im Übrigen nicht ausschließlich juristischer Natur sein: Kreativität und Soft Skills sind mindestens genauso wichtig und gefragt!

Recherche

Vorbereitung ist vielleicht nicht alles, aber enorm wichtig. Bevor du bei Veranstaltungen oder digital mit Personen in Kontakt trittst, solltest du dich über diese gut informieren. Gleiches gilt für Unternehmen und Kanzleien. So findest du einen leichteren Einstieg ins Gespräch, zeigst Interesse und kannst konkrete Fragen stellen.

Sichtbarkeit

Um zu netzwerken, muss man stattfinden. Im virtuellen Kontext bedeutet das explizit: Teilen, Kommentieren, Nachrichten versenden, Beiträge verfassen.
Sichtbarkeit im analogen Kontext heißt, teilzunehmen. Dies kostet manchmal Überwindung, gerade dann, wenn man keine Begleitperson hat und (noch) niemanden auf dem Event kennt. Doch genau hierfür sind diese Veranstaltungen da: Die Teilnehmenden verfolgen ähnliche Ziele wie du selbst und ihnen gehen die gleichen Gedanken durch den Kopf. Das Gefühl, man sei fehl an Platz, sollte dich also in keinem Fall davon abhalten, dir den Platz am Tisch oder im Saal zu sichern, der auch dir zusteht.

Tipp: Überwinde deine Komfortzone und besuche mindestens ein Event allein.

Im Gedächtnis bleiben

Nehmen wir an, du hast dich auf einem Event mit Frau X angenehm unterhalten. Um den Kontakt nicht im Sande verlaufen zu lassen, kannst du deinen Gesprächspartner über LinkedIn oder andere Plattformen (bitte keine rein privaten Accounts adden, wenn dies nicht explizit vorher angeboten wurde) hinzufügen und ihr eine Nachricht senden, indem du erwähnst, bei welcher Veranstaltung ihr ins Gespräch gekommen seid und dich hierfür noch einmal bedankst. Auch können offene Fragen oder die veröffentlichten Beiträge deines neuen Kontakts genutzt werden, um weiterhin in Kontakt zu bleiben.

Deine Tipps für die Praxis

  • Stell dich einfach dazu! Das ist vollkommen normal auf solchen Veranstaltungen und du bist garantiert nicht der oder die Einzige. Dies kannst du bspw. mit der Frage verbinden, ob die anderen auch allein oder in einer Gruppe gekommen sind.
  • „Hallo, mein Name ist …”: Die klassische Vorstellung ist effektiv und bietet anderen Teilnehmenden die Möglichkeit, sich selbst vorzustellen und auf dich zu reagieren.
  • Stecke dein Handy weg und halte beim Gespräch Augenkontakt.
  • Mache ein ehrliches Kompliment. Sprichst du jemanden an, der einen Vortrag gehalten hat oder dessen Veröffentlichung du in deiner Vorbereitung gelesen hast, kannst du diese Infos wunderbar als „Einstiegskommentar” verwenden.
  • Nutze fachunspezifische Fragen als Gesprächseinstieg. Frag beispielsweise danach, ob die Anwesenden auch an deiner Uni studieren oder studiert haben, ob jemand aus der Gruppe einen Vortrag hält oder bereits bei einem ähnlichen Event war.
  • Bereite bei gezieltem Kontaktaufbau Fragen für den weiteren Gesprächsverlauf vor.

Fazit: sinnvolle Ergänzung zum klassischen Bewerbungsprozess

Das Netzwerken wird den klassischen Bewerbungsprozess wohl nicht ablösen können, stellt aber für Studierende sowie Berufseinsteigerinnen und Berufseinsteiger eine wertvolle Möglichkeit dar, unabhängig von der eigenen Erfahrung oder dem Vorwissen durch das Knüpfen von Kontakten Karrierechancen zu eröffnen und eine Quelle für Unterstützung und Austausch zu schaffen.

Foto: Adobe Stock/©metamorworks
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