Jura Fernstudium

Pro Jahr starten um die 16.000 Student(inn)en mit dem Studium der Rechtswissenschaften oder dem Studium des Bachelor of Laws in Deutschland. Die meisten sind dabei an einer Präsenzuniversität eingeschrieben. Viel seltener dagegen wird das Jurastudium im Fernstudium angeboten. Um genau zu sein, bietet dies nur eine einzige staatliche Universität an – die Fernuniversität in Hagen. Unsere Autorin Pia Mohl hat während ihrer juristischen Ausbildung sowohl an der Universität Bayreuth, als auch an der Fernuniversität Hagen studiert. Im Artikel schildert sie ihre persönlichen Erfahrungen mit beiden Studienformen.

Präsenzstudium – Fluch oder Segen?

Sei es nun das Studium der Rechtswissenschaften oder das Studium des Bachelor of Laws. Im Grunde basiert jeder Studiengang auf einer Reihe von eher theoretischen Vorlesungen und zusätzlichen Übungen in Kleingruppen, in denen das Gelernte am Beispiel von Fällen angewandt wird. Für die Klausuren oder schlichtweg zur Nachbearbeitung der Veranstaltungen begeben sich viele Studenten in die Bibliothek oder an den heimischen Schreibtisch. Ich persönlich war fünf Jahre lang an der Universität in Bayreuth immatrikuliert und studierte dort Rechtswissenschaften. Meine Erfahrungen, die ganz unterschiedlicher Natur waren, möchte ich im Folgenden darstellen.

Gemeinsam durch das Gesetzesdickicht

Zu Beginn des Studiums steht man in den meisten Fällen direkt nach dem Abitur. So hat man sich gerade noch in einem Klassenzimmer wieder gefunden, befindet man sich nun in einem großen Hörsaal in einer vielleicht sogar fremden Stadt mit vielen fremden Menschen. Um sich sowohl in der neuen Umgebung, als auch im Studium selbst zurechtzufinden, ist es wichtig unter den Kommilitonen Gleichgesinnte zu finden. Das Jurastudium hat für wohl jeden so einige Höhen und Tiefen parat. Deshalb ist es wichtig, Menschen um sich zu haben, die wissen wovon man spricht und die einen aus so manchen Tiefs wieder heraus ziehen. Ebenfalls fachlich hat so ein Präsenzstudium enorme Vorteile. Denkt man hier beispielsweise an die Klausurvorbereitung, die Anfertigung von Hausarbeiten oder schlichtweg an einen fachlichen Austausch, ist dies ein Aspekt, der gerade in den ersten Semestern nicht zu unterschätzen ist, denn gerade die Rechtswissenschaft lebt geradezu von vielen Meinungen. Doch nicht nur der Kontakt zu Kommilitonen ist wichtig. Durch Vorlesungen, propädeutische Übungen und Tutorien hat man den persönlichen Kontakt zu Professoren, Doktoranden und Studenten aus höheren Semestern.

Zum Thema Finanzen: Seit 2014 werden in Deutschland keine allgemeinen Studiengebühren mehr erhoben. Es fallen daher lediglich allgemeine Kosten an, wie beispielsweise für Bücher, Kopien oder für die Mensa. Jobs an der Universität, wie beispielsweise in der Bibliothek, am Lehrstuhl oder als Tutor/in bringen einen nicht nur fachlich weiter, sondern können zumindest auch einen Teil der Kosten decken.

Konkurrenzdruck als zusätzliche Belastung für Studierende?

Das Problem an der Sache ist, dass Kommilitonen und Freunde zwar einerseits unterstützen können, jedoch gerade diese im Grunde auch Konkurrenten sind. Sowohl bei jeder Klausur oder Hausarbeit an der Universität, als auch im Staatsexamen oder später im Berufsleben ist bei einem doch sehr notenabhängigen Studiengang, der noch dazu hohe Durchfallquoten aufweist, ein gewisser Konkurrenzdruck zu spüren. Je näher das Staatsexamen rückt, desto größer wird meistens auch die Panik. Verbringt man also sowohl im Studienalltag, als auch während der Freizeit viel Zeit mit Kommilitonen, die lediglich das Thema Jura und das bevorstehende Examen diskutieren, ist das nicht unbedingt förderlich, da ein Ausgleich nicht mehr vorhanden ist. Ich persönlich habe die Erfahrung gemacht, dass gerade ein Ausgleich fernab vom Studienalltag besonders wichtig ist. Ich habe in dieser Zeit den Turniertanz für mich entdeckt. So befand sich mit der Zeit mein Freundeskreis nicht mehr auf dem Campus, sondern vielmehr auf dem Parkett. Kurz gesagt: Es ist wichtig, Freundschaften zu entwickeln, die nicht ausschließlich auf dem Thema „Jura“ basieren. Dies ist nicht nur wichtig für das Studium und das Referendariat, sondern gerade auch anwendbar auf das spätere Berufsleben.

Fernstudium – Eigenorganisation als oberste Priorität

Das Fernstudium mag für die meisten noch immer das große Mysterium sein. Das Fernstudium funktioniert so, dass jedes Semester Studienbriefe mit dem zu erarbeitenden Stoff nach Hause geschickt werden. Zudem gibt es in ganz Deutschland verteilt Regionalzentren, an denen am Ende des Semesters die Klausuren geschrieben werden. Während des Studiums wird dort in etlichen Modulen auch Präsenzunterricht in Kleingruppen angeboten. Das Fernstudium der Rechtswissenschaften an der Fernuniversität Hagen hat bis zur Zulassung zum Staatsexamen 31 Module und beinhaltet ebenfalls wirtschaftswissenschaftliche Module. Das hat den Grund, dass der Bachelor of Laws, den man nach 22 Modulen absolviert, hier integriert ist.

Fernstudium – nur für Einzelkämpfer geeignet?

Es stellt sich mitunter die Frage, ob eine Fernuniversität tatsächlich nur für Einzelkämpfer geeignet ist. Diese Frage ist eindeutig mit „nein“ zu beantworten. Denn selbst an einer Fernuniversität ist man durch den Unterricht an den Regionalzentren nicht auf sich alleine gestellt. Zudem wird enorm viel Material auf virtuellem Wege angeboten. Dazu zählt ebenfalls ein Forum, in dem sich Studenten aus der ganzen Welt austauschen. Dadurch, dass die Vorlesungen wegfallen und man gerade ortsunabhängig studieren kann, ist eine ausgewählte und flexible Tätigkeit im juristischen Bereich bereits während des Studiums möglich. So kann man zum Ende des Studiums so einiges an Berufserfahrung vorweisen. Ich persönlich hatte mich nach meinem Wechsel an die Fernuni Hagen dazu entschieden in Teilzeit zu studieren, denn auch dies ist an der Fernuniversität möglich. Zum einen konnte ich so meinen Lebensunterhalt ohne fremde Hilfe bestreiten, zum anderen bekam ich so die Möglichkeit für zwanzig Stunden in der Woche als Werkstudentin in zu arbeiten. Nach zwei Jahren bekam ich noch während meines Studiums das Angebot einer Anstellung in Teilzeit.

Alleine im Paragrafendschungel unterwegs

Das Problem an dem nun dargestellten Konzept der Fernuniversität ist, dass diese Art von Studium enorm viel Erfahrung und Eigenorganisation erfordert. Erfahrung deshalb, weil auch der Umgang mit einem Skript gelernt sein muss. Man muss lernen, in gewisser Weise zu selektieren, welche Inhalte tatsächlich Relevanz haben. Außerdem fehlt trotz der virtuellen Austauschmöglichkeiten der regelmäßige Kontakt mit Kommilitonen, was gerade zu Beginn des Studiums wichtig ist. Das Thema Eigenorganisation ist eine Frage des Typs. Während einige wenige bereits nach dem Besuch einer Vorlesung alles beherrschen, müssen die meisten im Eigenstudium erst einmal alles nachbereiten.

Zum Thema Finanzen: Die Fernuniversität verlangt für jedes Modul eine gewisse Summe. Je nach Umfang der Skripte sind das um die 100 – 200 € pro Modul. Im Vollzeitstudium belegt man in der Regel drei Module, im Teilzeitstudium, je nach Umfang des jeweiligen Moduls, ein oder zwei. Auch hierbei ist man auf sich allein gestellt, denn die typischen Studentenjobs in der Bibliothek oder am Lehrstuhl gemeinsam mit anderen Kommilitonen sind kaum möglich.

Fazit: Es kommt immer ganz darauf an!

Die pauschale Antwort, was denn nun besser ist, gibt es nicht, denn wie so oft „kommt es darauf an.“ Ich persönlich würde kein Fernstudium direkt nach dem Abitur empfehlen, da für eine erfolgreiche Absolvierung hier größtenteils die Erfahrung fehlen dürfte. Ich persönlich bin dankbar für meine Zeit an der Universität Bayreuth, da ich mir hier einen soliden Grundstock und eine gewisse Routine aneignen konnte. Ein direkter Einstieg in die Fernuniversität hätte mich überfordert. Nicht ohne Grund befinden sich an der Fernuniversität viele Berufstätige, die bereits eine Ausbildung oder ein abgeschlossenes Studium an einer Präsenzuni vorweisen können.

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