Benedikt Quarch

Dr. Benedikt Quarch hat erfolgreich Jura studiert – und sich, statt einen klassischen juristischen Beruf anzustreben, selbständig gemacht. Mit dem Startup RightNow kauft er Verbrauchern Rechtsansprüche aller Art ab – ob Flugstornierungen, Bahnverspätungen – oder aktuell Corona-Reisegutscheine. Im Interview mit mkg-jura-studis.de verrät er, warum er sich für die Gründung eines Legal Tech-Unternehmens entschieden hat, und welche Tipps er Jurastudierenden geben würde, die über eine Unternehmensgründung nachdenken.

Herr Dr. Quarch, Sie haben 2016 als Jahrgangsbester die Erste Juristische Prüfung in Hessen abgeschlossen – warum haben Sie sich (vorerst) gegen eine Karriere in der Großkanzlei oder im Öffentlichen Dienst entschieden und den Sprung in die Selbständigkeit gewagt?

Wenn ich ganz ehrlich bin, hat sich das jedenfalls in den Anfängen eher zufällig entwickelt. Zusammen mit meinen Co-Foundern Phillip Eischet – den ich schon seit Schulzeiten kenne – und Torben Antretter hatten wir die Idee für das Geschäftsmodell „RightNow“, das anfangs übrigens noch „Geld-für-Flug“ hieß. Als wir uns dann zunächst in der sprichwörtlichen „Garage“ daran gemacht haben, diese Idee umzusetzen, hat mich die unternehmerische Leidenschaft gepackt und seither nicht mehr losgelassen. Heute kann ich sagen, dass die Entscheidung für das Unternehmertum absolut richtig war. Es macht einfach unfassbar Spaß, jeden Tag an der Weiterentwicklung des eigenen Unternehmens zu arbeiten, und dabei Legal Tech in Deutschland und Europa voranzubringen. Denn eines ist klar: Das Besondere ist, dass ich bei RightNow Jura und Unternehmertum verbinden kann. Das ist das Beste. Neben RightNow interessiere ich mich sehr für die Wissenschaft und freue mich, auch in diesem Jahr wieder ein bisschen publiziert zu haben (bspw. erscheint Ende des Jahres ein Fachbuch zum Staatshaftungsrecht in der Coronakrise).

Würden Sie sagen, dass das klassische Jurastudium die Innovationsfähigkeit junger Menschen ein Stück weit blockiert?

Das denke ich auf jeden Fall – schließlich stammt die Konzeption des Studiums mehr oder weniger noch aus dem 19. Jahrhundert. Wichtig ist dabei meines Erachtens vor allem zweierlei. Erstens: Digitalisierung und Innovation müssen integraler Bestandteil des Jurastudiums werden – das fängt damit an, dass Prüfungen digital abgelegt werden können, dass das v. a. auch europäisch geprägte Digitalisierungsrecht verstärkt gelehrt wird, und dass der Umgang mit Digitalisierung und Automatisierung auch von der IT-Seite den Studierenden näher gebracht wird. Ich denke häufig an Estland, das bereits mit „Robo Judges“ experimentiert – Deutschland darf da nicht zurückliegen. Und zweitens müssen den Studierenden „Role Models“ und Erfahrungsberichte an die Seite gestellt werden, die glaubhaft vermitteln, dass Jura viel mehr ist als die gutgläubige Übertragung der Hypothek. Zusammen mit Lina Krawietz, Gründerin der Innovationsberatung „This is Legal Design“, habe ich zu diesem Zwecke die Initiative „Founders in Law“ gestartet. Wenn wir auf diesem Wege wenigstens einen kleinen Teil dazu beitragen können, dass auch das Jurastudium und die Jurist*innen innovativer werden, würde uns das sehr freuen.

Das unternehmerische Denken wird sicherlich im BWL-Studium stärker vermittelt als im Jurastudium. Welche besonderen Kompetenzen haben aber Juristinnen und Juristen als Unternehmer, die bei BWLern vielleicht nicht so ausgeprägt sind?

Ich selbst habe auch BWL studiert, was mir sicherlich ein gutes Grundverständnis von wirtschaftlichen Zusammenhängen gegeben hat. Aber auch das Jurastudium hilft sehr: Es fördert ja ein sehr analytisches Denken – das kann nur von Vorteil sein.

Ich würde aber dennoch nicht nach Studienfach differenzieren – Unternehmertum, innovatives und digitales Denken lässt sich ohnehin am besten „on the job“ lernen.

Und bei RightNow spielt Jura natürlich darüber hinaus eine entscheidende Rolle, um die von uns angekauften Forderungen durchzusetzen.

Welche Tipps würden Sie Jurastudierenden geben, die zwar Vertrauen in ihre Ideen haben, aber denken, dass das Jurastudium ihnen nicht die richtigen Tools für die Unternehmensgründung und die Selbständigkeit vermittelt hat – vielleicht sogar unternehmerisches Denken gehemmt hat?

Das wichtigste Motto, das ich schon in der Schulzeit gelernt habe, heißt: „Unternehmer zu sein, bedeutet etwas zu unternehmen.“ Also: Habt Vertrauen in euch und seid mutig, „einfach mal zu machen.“ Genau darauf kommt es an. Sicherlich sind Jurist*innen eher risikoavers, aber ein bisschen Risikofreude braucht man schon – alles andere kommt dann von selbst. Das zeigen viele tolle Beispiele an erfolgreichen Juristen-Unternehmern und -unternehmerinnen. Eine kleine Auswahl zeigen wir auf Founders in Law. Und bei Fragen kann sich jede/r natürlich auch bei mir melden. Ich würde mich freuen!

Auf der Plattform „Founders in Law“ werden Gründervorbilder vorgestellt, um sichtbar zu machen, dass es neben den erfolgreichen Jurist*innen, die sich für einen klassischen juristischen Beruf entschieden haben, viele tolle Gründerpersönlichkeiten gibt, an denen Jurastudierende & Co. sich ebenfalls orientieren können.

Kontakt: foundersinlaw.com

E-Mail: hello@foundersinlaw.com

Foto:Adobe.Stock/©Chinnapong

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