Repetitorium

Michael vom Feld hat sich nach seinem Staatsexamen selbständig gemacht – als Repetitor, der auf Einzelunterricht und individuelle Beratung setzt. Zusätzlich informiert & berät er digital Jurastudierende auf seiner Plattform „endlich jura“. Im Interview mit mkg-jura-studis.de berichtet er über seine eigenen Rep-Erfahrungen – und wie man in der Examensphase lernt, Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden.

Michael, Du hast Dich nach Deinem Staatsexamen 2015 dazu entschlossen, Dich als Repetitor selbständig zu machen. Außerdem berätst Du auf Deinem Youtube-Kanal endlich jura. und in der gleichnamigen Facebook-Gruppe Jurastudierende sehr intensiv bei Ihren konkreten Problemen. Ist die Idee dazu eher entstanden, weil Du gut darin warst oder weil Du in Deiner eigenen juristischen Ausbildung persönliche Beratung & Unterstützung vermisst hast?

Ich weiß gar nicht mehr genau, wann mir die Idee kam. Ich weiß nur noch, dass ich dem vorsitzenden Prüfer in meiner Mündlichen davon erzählt habe und er recht wenig begeistert schien (lacht). Bei „Repetitorium“ hat man ja auch ein sehr starres Bild, finde ich. Dass jemand den Leuten vom Auswendiglernen abrät, ihnen wissenschaftlich fundierte Lernmethoden vermittelt und sie persönlich – über die Wissensvermittlung hinaus – betreut… daran denkst du ja im ersten Moment nicht. Du denkst an Crashkurse und Skripte. Aber das war nie mein Gedanke. Ich wollte zwar ursprünglich Gruppenunterricht anbieten, den aber auf 20 Personen beschränken und eine ganz andere Form von Repetitorium anbieten. Schließlich ist es Einzelunterricht geworden – auch, weil es so schlicht viel einfacher ist, erste Referenzen zu kriegen und deutlich weniger finanzielles Investment erfordert.

Mir ist Jura nie zugefallen; ich war ein sehr durchschnittlicher Student mit ein paar wiederholten Klausuren im Grund- und dem Mindestaufwand im Hauptstudium. Meine besten Klausuren im Zivilrecht habe ich tatsächlich im Staatsexamen geschrieben. Und nach Beginn meiner Selbständigkeit habe ich mich noch einmal erheblich verbessert – einfach, weil man mit der Aufgabe wächst. Da kommt eine Studentin oder ein Student mit völlig undurchschaubaren Rechtsfragen in den Unterricht, und du musst ihm eine Antwort geben, ohne  irgendeinen Blödsinn zu erzählen. Heute argumentiere ich aufgrund solcher Vorkommnisse weitaus besser als 2015 im Staatsexamen. Daher auch eine wichtige Botschaft an alle Leserinnen und Leser: Versucht nicht, die beste juristische Version Eurer Selbst im Staatsexamen zu sein. Das Leben geht danach noch weiter, und solange Ihr euch in winzig kleinen Schritten verbessert, seid Ihr auf dem richtigen Weg.

Was unterscheidet Dein Repetitorium vom Uni-Rep oder Hemmer & Co.? Hast Du persönlich ein Repetitorium besucht und wenn ja, hat Dir da etwas gefehlt?

Zunächst sind wir völlig anders organisiert. Wir sind ein kleines Team aus zehn Leuten, und keiner von uns arbeitet nur für das Repetitorium. Wir promovieren, sind im Referendariat oder haben andere juristische Projekte, denen wir nachgehen. Deshalb können wir auch für die wenigen Studierenden, die jeder übernimmt, voll da sein. Wir haben keinen festen Lehrplan; wir machen nur das, was dem jeweiligen Studierenden in seiner speziellen Situation hilft. Wir haben sogar einen komplett individuellen Klausurenkurs, bei dem die Kandidatinnen und Kandidaten im Vorhinein Themenwünsche äußern und auch mal eine Woche aussetzen dürfen, wenn ihnen etwas dazwischenkommt. Das alles ist ja bei den großen Repetitorien gar nicht möglich. Mit einem Altersschnitt von unter 30 sind wir natürlich auch nah dran an den Studierenden. Schließlich liegen unsere eigenen Examina noch gar nicht lange zurück.

Ich habe in der Tat ein klassisches Großgruppen-Rep. besucht. Ich habe schon nach wenigen Einheiten gemerkt, dass mir das nur hilft, wenn ich mich konsequent motiviere und aktiv mitarbeite. Wer das nicht macht, schwimmt mit oder geht unter, und das ist bei 50 Leuten in einem Raum auch unvermeidbar. Andererseits gab es damals – zumindest wüsste ich es nicht besser – solche Angebote wie von uns noch gar nicht. Und dann ist es ja auch noch extrem vom jeweiligen Dozenten bzw. der jeweiligen Dozentin abhängig. Ich habe da selbst Unterirdisches und Überragendes erlebt.

Ein großes Problem, das viele Jurastudierende ja haben, ist, dass Fälle abstrakt gelöst werden sollen, aber es als unausweichlich erscheint, das erstmal anhand von hunderten Fällen zu „lernen“. Was hat Dir dabei geholfen, Dich vom Auswendiglernen zu lösen – und was ist Deiner Meinung nach total kontraproduktiv?

Ich habe in der kurzen Zeit, die ich mir für die konkrete Examensvorbereitung genommen habe, ziemlich schnell realisiert, dass die Stoffmenge zu groß ist, um einfach alles auswendig zu lernen. Ich habe für mich daraus geschlossen, dass das dann ja auch nicht von den Prüfungsämtern gewollt sein kann. Deshalb habe ich ausgerechnet, wie viel Informationen ich in einem vorgegebenen Zeitraum ungefähr einatmen kann, um dann allem anderen den Rücken zuzukehren. Daraus entstanden sind zwei Ordner mit Notizen. Ich konnte, was in den Ordnern stand – nicht mehr und nicht weniger. Sie sind übrigens ziemlich dünn. Sie beschränken sich auf das absolut Essenzielle. Wenn ich etwas Essenzielles vergessen habe, dann war das so. Erst viel später habe ich dann erfahren, dass man auch nur so lernt, Wichtiges und Unwichtiges zu unterscheiden – nämlich, indem man selbst die Unterscheidung trifft und aus den Fehlern lernt, die man dabei macht.

Leider könnte ich so viele kontraproduktive Dinge aufzählen, dass es den Rahmen dieses Interviews sprengen würde. Aber dafür gibt es ja meinen YouTube-Kanal. Wenn ich eine Sache benennen müsste, dann wäre es: Lernen, ohne zu wiederholen. Es fühlt sich produktiv an, von acht bis acht in der Bib zu sitzen und zu lesen, auf dass etwas davon hängenbliebe. Technisch ist das verschwendete Lebenszeit. Der Lernstoff prägt sich nicht von selbst ein, und bloßes Lesen gaukelt uns nur vor, wir würden die Dinge verstehen. Da hilft auch kein Markieren in zehn verschiedenen Farben. Macht Euch Notizen – meinetwegen auch Sprachmemos. Gebt den Stoff in eigenen Worten wieder. Und testet Euch in immer größer werdenden Abständen darauf, ob Ihr die Sachen noch draufhabt.

Und zuletzt: Wenn Dich jetzt Studienanfänger nach Literaturtipps fragen würden – welche Bücher kannst Du für das Jurastudium uneingeschränkt empfehlen?

Das tun sie dauernd! Ich empfehle ihnen dann immer mein eigenes Buch (lacht). Es ist aktuell zwar nicht öffentlich verfügbar, aber es gibt eine Warteliste. Man trägt seine E-Mail ein und wird dann informiert, wenn es wieder so weit ist. Auch meine 10 Gebote für ein erfolgreiches Jura-Studium kann man sich nach dem Prinzip als PDF herunterladen – bloß dass man auf die nicht warten muss.

Abgesehen davon gibt es nur zwei Werke, die ich wirklich bedingungslos empfehle: Haft – „Einführung in das juristische Lernen“ und Lagodny – „Gesetzestexte suchen, verstehen und in der Klausur anwenden“. Deswegen habe ich für diese Beiden auch eigene Amazon-Links, sodass der Kunde das Gleiche zahlt, mich aber durch den Kauf unterstützt. Nicht weil die Autoren irgendwas mit mir zu tun hätten, sondern weil ich an die in den Büchern vermittelten Inhalte glaube. Ich freue mich auch, wenn diese Bücher gekauft werden, ohne dass meine Links benutzt werden. Sie sind einfach gut, entsprechen meinen Prinzipien und räumen mit vielen Mythen auf, die das Jurastudium leider bis heute begleiten. endlich jura. steht also für genau das: aufhören mit dem, was in Wirklichkeit nicht hilft und endlich juristisch arbeiten.

Michael, herzlichen Dank für Deine Zeit und Deine Antworten.

Das Interview führte Jasmin Kröner.

Kontakt:

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E-Mail: info@rep-vomfeld.de

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