Universität

An welche Universität soll man eigentlich gehen, um Jura zu studieren? Was ist empfehlenswert und nach welchen Kriterien soll man seine Universität auswählen? Was ist wichtig, was nicht?

Mein Persönlicher Werdegang

Wo habe ich studiert, warum habe ich da studiert?

Ich habe angefangen, in Heidelberg zu studieren.  2003 war das – ist schon ein paar Tage her – drei Semester habe ich dort studiert. Ich habe im Sommersemester angefangen und das war für mich damals auch ein Grund, nach Heidelberg zu gehen. In dieser Zeit war ich nämlich bei der Bundeswehr und wollte im Sommersemester anfangen und das haben damals nicht alle Universitäten angeboten. Danach habe ich ein Semester an der LMU in München studiert. Anschließend ging es ein Semester ins Ausland zur Université de Lusanne in Frankreich. Mein erstes Examen habe ich dann schließlich in München absolviert. Insgesamt habe ich also drei Universitäten besucht.

Ich wollte damals eine Universität besuchen, die ein bisschen weiter weg ist. Die nächste Universität wäre für mich Augsburg gewesen. Da kann man auch Jura  studieren, aber das war mir zu nah. Gleichzeitig wollte auch nicht direkt in eine Großstadt wie München, denn ich kam aus einer Kleinstadt. Somit standen Tübingen und Heidelberg damals zur Auswahl – zwei mittelgroße Städte.  Ich habe mich dann für Heidelberg entschieden, was eine reine Bauchentscheidung war. Erstens fand ich die Stadt cool und die Universität hatte einen guten Ruf.

Was sprach für die Universität Heidelberg?

Das Studieren ist das eine und das Studentenleben das andere! Heidelberg hat ein sehr angenehmes Studentenleben. Es ist eine kleine Stadt und man kann im Prinzip alles mit dem Fahrrad oder zu Fuß  machen. Es ist auch nicht so teuer wie München, aber es ist trotzdem sehr studentisch. Damit meine ich das studentisch geprägte Stadtbild, welches auf München als Großstadt nicht unbedingt zutrifft. Dort prägen viele Dinge das Stadtbild, nicht nur Studenten.

Warum der Wechsel an die Universität München?

Irgendwann wurde mir Heidelberg aber doch zu klein. Ich wollte etwas Größeres kennen lernen. Zudem ist München bei meiner Spezialisierung, nämlich dem Medienrecht,  als Medienstandort noch mal eine andere Hausnummer. Ich hatte auch eine Freundin in München, was auch eine Rolle gespielt hat. So kam das und ich bin über diese Wahl auch sehr glücklich. Auch wenn mir natürlich damals schon bewusst war, dass Bayern ein schwereres Examen hat und es schwerer ist, dort gute Noten zu schreiben als zum Beispiel in Hessen oder in Nordrhein-Westfalen. Das war mir aber zu diesem Zeitpunkt egal. Es macht für mich keinen Sinn, nur dorthin zu gehen, wo es die besten Noten gibt.

Welche Tipps kann ich euch nun für die Uni-Wahl geben?

Private oder staatliche Universität?

Das mit den privaten Universitäten, die Bucerii, begann erst, als ich bereits angefangen hatte, zu studieren, sodass es für mich kein Thema war. Wenn man natürlich gute Abiturnoten hat und die Möglichkeit bekommt, dort zu studieren (und die Kosten irgendwie in den Griff bekommt), ist es natürlich eine super Möglichkeit! Die Bucerii sind allerdings, soweit ich gehört habe, aber auch deutlich verschulter als die staatlichen Universitäten.

Die Selbstständigkeit war etwas, das ich schon sehr genossen habe, damals nach der Schule. Man konnte erst mal sein eigenes Ding durchziehen und selbständig lernen. Das heißt auch, unabhängig zu leben mit dem oft bescheidenen Budget, das man zur Verfügung hat, entweder vom Bafög, von den Eltern oder vom Jobben. Man ist raus aus dem elterlichen Schoß und auf sich allein gestellt. Das fand ich sehr spannend. Ich persönlich war nicht so scharf darauf, einen verschulten Unterricht zu erhalten. Das muss aber letztlich jeder für sich selbst entscheiden.

Wirtschaftliche Gründe bei der Uniwahl

Wichtig ist natürlich, wieviel Geld man zur Verfügung hat. Ob man BAföG bekommt, Unterstützung von den Eltern, oder eben nicht. Muss man eventuell jobben? Da ist ein Studium in München mit Sicherheit teurer als Heidelberg oder Tübingen. Man kann sich da durchaus im Internet auch mal informieren, was die Studentenwohnheime oder Zimmer kosten. Ein Ein-Zimmer-Appartement in München kostet mittlerweile bis zu 700 Euro. Dafür bezahlt man in Heidelberg wahrscheinlich die Hälfte oder noch weniger. Und man muss ja auch noch irgendwie essen und trinken und so weiter bezahlen und seinen Lebensunterhalt verdienen. Kosten spielen auf jeden Fall eine Rolle bei der Wahl der Universität!

Wer in den Staatsdienst will, sollte im Voraus planen

Wenn man später als Jurist beim Staat angestellt sein möchte, sollte man sich durchaus darüber Gedanken  machen, in welches Bundesland man geht. Da es in der Regel einfacher ist, innerhalb des Bundeslandes, in dem man sein Examen gemacht hat, auch beim Staat einen Job zu kommen. Wer in diese Richtung tendiert, oder auch zum Beispiel Notar werden möchte, sollte nicht das Bundesland wählen, das die besten Noten gibt, um danach in ein anderes Bundesland in den Staatsdienst wechseln zu wollen. Hier gibt es nämlich Bewertungsverfahren, in denen die Noten aus anderen Bundesländern eventuell angepasst werden. Das heißt, 10 Punkte aus Hamburg sind dann z.B. 7,5  Punkte in Bayern. Wer also sowieso in Bayern Richter werden will, sollte nach Möglichkeit auch direkt in Bayern studieren.

Für Arbeitgeber ist die Universität kein Thema

Aus der Perspektive eines Arbeitgebers aus der Wirtschaft oder aus der Anwaltschaft ist die Stadt bzw. Universität sekundär. Wenn jemand alle Kriterien für einen Job erfüllt, wird sie oder er keine eine Absage bekommen, weil sie/er in Rostock und nicht in Frankfurt am Main studiert  hat. Ich bin mir ziemlich sicher, dass das kein Ausschlusskriterium bei Bewerbungen ist. Da kommt es dann eher auf die Noten an und was sonst noch im Lebenslauf steht. Die Arbeitnehmer stellen sich Fragen wie: Was sind die Interessen? In welchem Bereich wurden Praktika gemacht? Wo hat man sich außeruniversitär engagiert? War man im Ausland? Das spielt eine größere Rolle als die Stadt, in der man studiert hat. Da muss man sich nicht verrückt machen!

Universitätsrankings: Was sagen sie über die Lehrqualität aus?

Es gibt aber auch Universitäts-Rankings, bei denen die Lehre von unabhängigen Dritten beurteilt wird. Wie z. B das Angebot, oder das Verhältnis der Zahl von Studenten zu Professoren ist. In Heidelberg waren wir z. B zu Beginn 200 bis 300 Studenten, davon bleiben zwei Semester später vielleicht noch die Hälfte übrig. Natürlich ist das Verhältnis bei einer kleineren Zahl von Studenten bei einer Vorlesung vielleicht intimer oder persönlicher.  Das allein macht aus meiner Sicht die Universität aber nicht gut oder schlecht. Lernen muss man so oder so!

Fazit: Die Uni-Wahl ist wichtig, aber nicht kriegsentscheidend!

Wie gesagt, es ist nicht die wichtigste  Entscheidung eures Lebens, an welche Universität ihr geht. Ihr müsst ja gucken, wo kann ich es finanzieren, wo bin ich gut aufgehoben, Groß- oder Kleinstadt, Unistadt oder Metropole? Dann werdet ihr relativ bald die richtige Entscheidung  treffen können. Ich drücke euch die Daumen, dass ihr die richtige Universitätsentscheidung trefft!

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Foto: Adobe Stock/Anke Thomass