Examen Übungsklausuren

Ist es möglich, einen Vergleich über die Korrektur im Examen im Vergleich zum Klausurenkurs zu ziehen? Das ist eine gute Frage – denn man schreibt oft Übungsklausuren, bekommt schlechte Noten und fragt sich: Wird mein Examen dann auch so schlecht sein? Dazu mehr in diesem Beitrag.

Kurz für die Jüngeren unter Euch, die noch nicht so genau wissen, um was es hier eigentlich geht. Es geht um einen Tipp, den ich jedem von Euch geben würde, der sich auf das Examen vorbereitet: Schreibt Klausuren! Denn das ist die Fähigkeit, die man am Ende des Studiums draufhaben muss. Den Stoff theoretisch zu kennen, ist das eine – Klausuren zu bearbeiten und die Art und Weise, wie man eine Klausur löst, zu kennen – das ist das andere.

Und das ist das, was Ihr letztlich wirklich können müsst, wenn Ihr das Examen schreibt! Wenn man sich vorbereitet, dann schreibt man Übungsklausuren, und ich würde empfehlen, das in der heißen Phase der Examensvorbereitung mindestens einmal pro Woche zu tun. Einfach, damit man reinkommt in das Zeitmanagement und damit man merkt: Wie viel Zeit habe ich, um die Klausur für mich zu lösen? Wie viel Zeit habe ich, um eine Gliederung zu schreiben? Wie viel Zeit brauche ich, um dann diese Gliederung auf Papier zu bringen? Wie gehe ich damit um, wenn mir die Zeit ausgeht oder wenn ich bei der Gliederung unschlüssig bin?

Im Examen ist Technik mindestens genauso wichtig wie Wissen

Das, was ich beschrieben habe, ist letztlich viel mehr Klausuren-Technik als Klausuren-Wissen. Es wird oft genug vorkommen, dass Ihr nicht sofort wisst, um was es in der Klausur eigentlich geht. Die Frage, um die es in diesem Beitrag geht, ist: Worin unterscheiden sich die Korrekturen in der Übungsklausur im Vergleich zum Examen? Das ist eine sehr gute Frage!

Und ich kann Euch sagen, meine Übungsklausuren waren definitiv auch schlechter als meine Examensklausuren – im Schnitt etwa zwei Punkte schlechter als mein Examen. Es gibt natürlich einen Unterschied in der Art und Weise, wie Klausuren korrigiert werden, nämlich den folgenden: Übungsklausuren – ob sie von der Uni gestellt werden, von einem (kommerziellen) Repetitorium, oder im Rahmen eines Klausurenkurses, werden in der Regel nicht von Top-Richtern, Anwältinnen und Anwälten oder Notarinnen und Notaren korrigiert, sondern von sogenannten Korrektur-Assistenten.

Korrektur-Assistenten weichen seltener von Lösungsskizzen ab

Diese haben meistens ganz gute Noten, aber werden sehr schlecht bezahlt für diese Klausur. Das sind ein paar Euro – und letztlich hat man, wenn man auf einen bestimmten Stundensatz kommen muss, eine gewisse Anzahl von Klausuren zu korrigieren. In der Regel halten sie sich daher sehr, sehr eng an die Klausurlösungen, die von der Uni, vom Professor oder vom Repetitorium vorgegeben sind. Man hat in so einer Situation nicht so einen großen Antrieb, sich in die Klausurenschreiberin oder den Klausurenschreiber hinein zu versetzen und zu überlegen: Was hat er oder sie eigentlich gemeint? Die Person ist hier zwar von der Lösungsskizze abgewichen, aber an sich kann man es ja auch vertreten. Meistens wird einfach nur geguckt: Passt das zur Lösungsskizze oder nicht? So ist es in der Übungsklausur.

Examenskorrektoren korrigieren individueller

In der Examensklausur ist das ganz anders. Da hat man es mit Leuten zu tun, die mitten im Berufsleben stehen – mit Richterinnen und Richtern, mit Staatsanwältinnen und Staatsanwälten. Also nicht mit Korrektur-Assistenten, die auf ein paar Euro hoffen, sondern Juristinnen und Juristen, die wirklich sehr gut ausgebildet sind, gute Noten geschrieben haben, gute Jobs beim Staat haben, und das nicht für ein paar Euro machen. Ich glaube, die bekommen auch eine kleine Vergütung, aber letztlich geht es dort nicht darum, Geld zu verdienen. Diese Menschen haben einfach einen anderen Erfahrungsschatz, die haben auch einen anderen Blick auf die Klausuren und ich weiß das aus eigener Erfahrung, weil ich mir solche Klausuren angesehen habe.

Diese Prüferinnen und Prüfer sind auch bereit, der Klausurenschreiberin oder dem Klausurenschreiber zu folgen und zu gucken, welcher Argumentation die Person gefolgt ist, wie diese begründet ist und ob man sie vertreten kann – auch wenn sie von der Lösungsskizze abweicht. Die überlegen sich, ob man dann trotzdem sagen kann: „Ja, diese Lösung überzeugt mich, ich hätte vielleicht in dem Fall genauso entschieden und deswegen passt das!“

Eine Übungsklausur ist keine Examensklausur

Das heißt aber nicht, dass im Examen die Noten automatisch immer besser sind. Das will ich damit überhaupt nicht sagen, aber was ich schon behaupten möchte ist: Im Examen nehmen sich die Korrektoren mehr Zeit, um zu verstehen, was die Klausurenschreiberin oder der Klausurschreiber hier tatsächlich zu Papier gebracht hat.

Eine Übungsklausur ist eben keine Examensklausur, die man anfechten kann, wo dann vielleicht sogar die eigene Korrektur aufgehoben wird. Es ist halt eine Übungsklausur: Die geht man durch, schreibt eine Note drauf und fertig. Das ist meist weder für den Korrektor, noch für die Person, die die Klausur geschrieben hat ein riesiges Problem. Wer eine schlechte Note bekommt, fragt sich nur im Zweifel: Verdammt, wird mein Examen dann auch so schlecht?

Ich hoffe, ich habe Euch in diesem Beitrag einen kleinen Einblick in die Art und Weise gegeben, wie Klausuren korrigiert werden, geben können. Ich drücke Euch ganz fest die Daumen!

 

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Klausurenkorrektur & Unterschiede - #FragDominik

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