Nicht nur im Jurastudium: Die Wahrheit über mündliche Prüfungen

Dieser Beitrag dreht sich nicht nur um die mündliche Prüfung im Jurastudium, sondern um alle mündlichen Prüfungen, die ihr in eurem Leben absolvieren müsst. Egal ob Universitätsprüfungen, Schulprüfungen, Abiturprüfungen oder Ähnliches. Das wichtigste, was ihr über diese Prüfungen wissen müsst: Ihr habt es nur bedingt in der Hand!

Eine mündliche Prüfung läuft ab und ihr seid Teil einer solchen. Doch ihr könnt nur zu einem sehr geringen Teil selbst beeinflussen, wie diese läuft. Daher macht es überhaupt keinen Sinn, sich verrückt zu machen. Man muss offen sein, sich darauf einlassen, denn man gewinnt diese mündliche Prüfung im Kopf.

Fallstricke am Beispiel meiner eigenen mündlichen Prüfung

Es saßen fünf Prüflinge nebeneinander. Jetzt kann man vielleicht denken: Fünf Stunden Prüfung, dann hat jeder Prüfling nur eine Stunde. Dem ist aber nicht so. Die Prüflinge werden nicht nacheinander geprüft, sondern während dieser fünf Stunden werden alle geprüft. Es heißt nämlich immer, man hat eine Frage oder es wird ein Sachverhalt vorgetragen. Da wird z.B. der erste Prüfling zu einem Sachverhalt befragt.  Der oder die Erste hat es noch am einfachsten, denn dieser hat noch alle Möglichkeiten offen. Wenn der nicht mehr weiter weiß, dann geht es zum nächsten, was der dazu sagen kann. Für den Zweiten wird es schon schwieriger, denn die guten Argumente, die Knaller, hat der erste schon gebracht. Und so geht es weiter.

Der Fünfte, der vielleicht auch alles gewusst hätte, was die ersten vier bereits gesagt haben, kann dann nicht mehr so die Argumente „aus der Hüfte schießen“. Er oder sie muss dann unter Umständen mit Spezialwissen punkten, dass auf einem ganz anderen Niveau liegt. Das meine ich mit „ihr könnt es nicht beeinflussen“. Je nachdem, welcher Prüfling man ist, also zu welchem Zeitpunkt man Stellung nehmen muss, entscheidet vielleicht über den Ausgang der Prüfung und über die Note. Denn die Wahrscheinlichkeit, dass der Fünfte noch mehr Wissen hat, welches die anderen fünf Prüflinge vor ihm nicht hatten, ist deutlich geringer.

Wie ist meine mündliche Prüfung abgelaufen?

In meiner mündlichen Prüfung zum zweiten Staatsexamen war ich der Erste. Ich saß links. Es wurde ein Fall vorgetragen und man durfte Mitschriften machen. Während meiner Mitschrift kam mir dann der Gedanke: Oh, wenn der Prüfer fertig ist mit seiner Falldarstellung, bist du ja der Erste der gefragt wird. Von da an konnte ich mich nicht mehr auf den Sachverhalt konzentrieren. Und so war es auch. Als der Prüfer fertig war, sah er mich an und fragte: Herr Herzog, was sagen Sie dazu? Ich war total überrumpelt und habe mich mit meinen eigenen Waffen geschlagen.  Es hatte nichts mehr mit meinem Wissen zu tun, sondern ich hatte in dem Moment nicht aufgepasst. Das meine ich, wenn ich sage, dass ihr darauf keinen Einfluss habt.

Auf das Thema kommt es an!

Ein Prüfer befragt euch meist zu Sachverhalten, die er mag oder interessant findet. Meistens handelt es sich dabei um seine Spezialgebiete, zu denen er vielleicht ganz spontan Dinge fragen kann. Das Gebiet kann euch liegen oder eben nicht. Jeder hat ja seinen eigenen Interessenbereich. Das könnt ihr im Vorfeld nicht antizipieren.

Was heißt das für die juristische Prüfung?      

Holt euch die Prüfungsprotokolle und schaut, was die Prüfer regelmäßig abfragen! Wenn es feste Prüfer sind, fragen die meist in jeder Prüfung das Gleiche. Das ist sehr fair. Dann weiß man, in welchem Bereich sich die Prüfung abspielt. Ansonsten muss man die Entscheidung treffen, ob man alles lernt aus seinem Fach. Egal, ob das Jura ist oder etwas anderes. Eine weitere Strategie: Ihr lernt gar nicht, sondern konzentriert euch darauf, entspannt in die Prüfung zu gehen und euch im Klaren darüber zu sein, dass mündliche Prüfungen nur zu einem kleinen Teil selbst beeinflusst werden können. Und dann könnt ihr einfach ganz entspannt sein und nur gewinnen. Wenn es gut läuft, läuft es gut und wenn es schlecht läuft, versucht man das Beste daraus zu holen. Es liegt dann wirklich nicht an Euch.

Fazit: Mündliche Prüfungen gewinnt man im Kopf!

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Foto: Adobe Stock/Prostock-studio

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