Repetitorium oder nicht?

Das Thema Repetitorium ist wahrscheinlich im Jurastudium so allseits präsent wie sonst nur die Examensnote – ein Thema, das einem wahrscheinlich schon ab dem ersten Semester immer wieder begegnet. In diesem Beitrag erfahrt ihr, ob sich ein Repetitorium lohnt und wann ihr damit anfangen solltet.

Ab wann ist ein Repetitorium sinnvoll?

Man kann extrem früh damit anfangen! Ich für meine Begriffe habe aber damals viel zu frühangefangen. Ich habe meinen ersten Crashkurs zur Vorbereitung auf einen großen Schein im dritten oder vierten Semester absolviert. Ich habe dafür durchaus viel Geld bezahlt, was man als Student ja nicht unbedingt so im Überfluss zur Verfügung. Außerdem hat man sich in erster Linie damit nur ein reines Gewissen erkauft, weil es alle anderen in meinem Bekanntenkreis auch gemacht haben. Vielleicht habe ich deswegen die Klausur bestanden, vielleicht auch nicht. Ich kann die Entscheidung für das Repititorium jetzt leicht in Frage stellen. Für meine Begriffe war es aber damals zu früh, denn ich finde ganz am Anfang sollte man nicht unbedingt so viel Geld dafür bezahlen müssen. Man kann durchaus erstmal versuchen, sich mit Lehrbüchern und den AGs, die von der Uni angeboten werden, an die Materie heranzutasten. Ab dem Zeitpunkt, an dem man sich für das eigentliche Examen vorbereitet, würde ich jedoch ein Repetitorium empfehlen.

Es gibt die großen kommerziellen Repetitorien von Alpmann Schmidt und von Hämmer, es gibt aber auch kleinere lokale Repetitorien, die nicht bundesweit tätig sind. Da muss man sich so ein bisschen an der Uni umhören, was die anderen machen und was einen guten Ruf hat – da kann man sich durchaus auch vom Schwarm lenken lassen. Alles in allem würde ich es empfehlen! Warum? Aus verschiedenen Gründen.

Gründe für ein Repetitorium

Zum einen wird der Stoff portioniert. Das heißt, man hat einen Zeitraum von ca. zwölf oder 18 Monaten, in denen man sich den Stoff aneignen muss und das sind teilweise große Brocken. Durch die Portionierung hat man aber den Horizont in gewisser Weise im Blick. Ich hatte damals viel zu viel Angst, mich zu verzetteln, wenn ich auf eigene Faust anfange zu lernen. Es gibt mit Sicherheit Leute, die das hervorragend können, aber für mich war das damals nichts –  ich brauchte diese Portionierung. Der zweite Grund ist, es gibt extrem gute Klausurenkurse, die in diesem Gesamtpaket immer schon mit drin sind (interne Verlinkung zum Beitrag über Übungsklausuren). Ich würde unbedingt empfehlen in der Examensvorbereitung regelmäßig Übungsklausuren zu schreiben! Es gibt hervorragende Klausurenkurse mit der entsprechenden Besprechung und auch eine Lösungsskizze. Denn eine Übungsklausur bringt nichts, wenn man sich danach nicht damit beschäftigt und es nicht aufarbeitet.

Kommerzielles oder Uni-Repetitorium?

Ich höre immer wieder, dass es mittlerweile sehr gute Uni-Repetitorien gibt. Das hängt auch mit Sicherheit vom Studienort ab und hat sich bestimmt auch weiterentwickelt, aber nach meiner Erfahrung war es so, dass mich die Uni-Repetitorien damals, gerade was die Klausuren angeht, nicht so richtig überzeugt haben. Man hat zwar Klausuren geschrieben, aber die Lösungsskizzen waren nur mittelprächtig und Besprechungen gab es gar keine. Insofern war für mich damals das kommerzielle Repetitorium der bessere Weg. Ich habe es auch nicht immer geschafft, alle Zeitpläne einzuhalten und ich habe auch nicht immer alle Klausuren mitgeschrieben, aber es war für mich auf jeden Fall der richtige Weg.

Repetitorium hin oder her: Man kann nie genug wiederholen!

Also was kann ich euch empfehlen? Ich würde das Thema auf jeden Fall im Blick behalten, meistens kann man auch kostenlos ein paar Kurse besuchen. Hört euch ein bisschen um, wo die meisten Leute hingehen – da ist dann meistens auch irgendetwas dran. Unterm Strich würde ich, gerade in der stressigen Phase kurz vor dem Examen, dazu raten, ein Repetitorium zu besuchen. Zumindest den Klausurenkurs. Man kann nie genug Übungsklausuren schreiben und dann klappt es bei euch mit dem Examen bestimmt auch ganz hervorragend.

Ich drücke euch fest die Daumen!

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Foto: Adobe Stock/LeslieAnn

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Karriereweg Syndikus – eine Option für mich?

Wie ist es, als Syndikusrechtsanwältin oder Syndikusrechtsanwalt in einem Unternehmen zu arbeiten? Darum ging es am 18.09.2019 bei der Veranstaltungsreihe „Referendariat – und was dann?“. Initiiert wurde sie vom Landgericht Köln, der Rechtsanwaltskammer Köln und dem Kölner Anwaltverein. Die Syndikustätigkeit ist wohl für die Mehrheit der anwesenden Rechtsreferendare eine eher unbekannte Karriereoption.

Christine Bernard von der Bayer AG, der Geschäftsführer der Rechtsanwaltskammer Köln, Martin W. Huff, und Rainer-Karl Bock-Wehr, Leiter Kompetenzcenter Firmen, HDI Versicherung AG eröffneten den Rechtsreferendarinnen und Rechtsreferendaren interessante Einblicke in die beruflichen Perspektiven einer Volljuristin bzw. eines Volljuristen im Unternehmen.

Gratulation zur Studienwahl! Juristinnen und Juristen haben gute Berufsaussichten

Rückt das Rechtsreferendariat als letzter Abschnitt zur Ausbildung zur Volljuristin bzw. zum Volljuristen heran, häuft sich – nicht nur von Seiten Dritter – bei vielen Rechtsreferendarinnen und Rechtsreferendaren die Frage: „Und was dann?“ Sowohl die Vizepräsidentin des Landgerichts Köln, Dr. Bettina Meincke, als auch der Vorsitzende des Kölner Anwaltverein, Markus Trude, betonten in ihrer Begrüßung, dass junge Volljuristinnen und Volljuristen in Deutschland derzeit sehr gute Berufsaussichten hätten. Rechtsreferendarinnen und Rechtsreferendare stehen heutzutage selten vor verschlossenen Türen, sondern haben vielmehr unüberschaubare Möglichkeiten, wenn es um die Berufswahl geht. Neben den klassischen Berufen wie dem Richteramt oder der Rechtsanwaltschaft, in die es die meisten verschlägt, steht auch die Möglichkeit offen, Syndikusrechtsanwältin bzw. -rechtsanwalt zu werden. Doch was verbirgt sich hinter diesem Berufsfeld?

Was macht ein Syndikus?

Um etwaige Zweifel vorweg im Keim zu ersticken: Ja, die Syndikustätigkeit hat etwas mit Jura zu tun! Darüber klärte Herr Bock-Wehr am Beispiel seiner Arbeit als Syndikusrechtsanwalt in einer Versicherung auf. Von der Frage, ob der Versicherungsschutz für den Hausrat greift, wenn ein betagter Mann seinen wertvollen Schmuck zum angeblichen Schutz vor einem Diebstahl vermeintlichen Polizisten herausgibt (und ihn dann nie wieder sieht) bis zu Fällen der Selbstverstümmelung wird die Syndikusrechtsanwältin bzw. der Syndikusrechtsanwalt mit einer Vielzahl juristischer Fragen konfrontiert.

Jenseits solcher – zugegeben kurioser aber tatsächlicher – Fallgestaltungen beschäftigen sich Syndikusrechtsanwältinnen bzw. Syndikusrechtsanwälte mit ähnlichen Tätigkeitsfeldern wie Wirtschaftskanzleien, wie Christine Bernard erklärte, die als ehemalige Leiterin der Rechtsabteilung von Bayer 04 Leverkusen eine interessante Laufbahn als Syndikusrechtsanwältin aufweist. Doch nicht nur im privaten Sektor, sondern sogar in einigen Bereichen des öffentlichen Dienstes ist eine Syndikustätigkeit möglich.

Steigende Zulassungen für Syndikusse

Die Reform des Berufsrechts (§§ 46 ff. BRAO) stellte einen „Wechsel vom Blazer oder Jackett in die Robe“ dar, erklärte Martin W. Huff. Derzeit stiegen die Zahlen zur Zulassung zum Syndikusrechtsanwalt kontinuierlich an und überholten sogar die Anträge zur Zulassung zur Rechtsanwaltschaft. Gerade im Raum Köln gibt es zunehmend Unternehmen, die Volljuristinnen und Volljuristen beschäftigen, weshalb die Syndikustätigkeit zukünftig stärker in den Fokus der Berufseinsteiger rücken dürfte.

Syndikus – Wäre das eine Option für mich?

Um zu entscheiden, ob die Tätigkeit als Syndikusrechtsanwältin bzw. Syndikusrechtsanwalt für den eigenen Berufsweg in Frage kommt, dürfte helfen, sich die Unterschiede gegenüber dem Rechtsanwaltsberuf deutlich zu machen: Im Unterschied zu Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälten dürften Syndikusrechtsanwältinnen und Syndikusrechtsanwälte – wie Rainer-Karl Bock-Wehr am Beispiel der Versicherung nahebrachte – über juristische Fragen häufig selbst entscheiden. Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte sprächen in der Regel lediglich Empfehlungen aus. Auch spielt der Wunsch nach mehr Freizeit oder Familienplanung eine Rolle, insbesondere mit Blick auf die teilweise hohe Arbeitsbelastung in einigen (Wirtschafts-)Kanzleien.

Man sollte sich außerdem die Frage stellen, ob man für die Dauer seines Berufs nur für einen Mandanten – nämlich das Unternehmen – arbeiten und dessen Interessen vertreten kann. Attraktiv scheint zudem, dass viele Unternehmen anbieten, als Syndikusrechtsanwältin bzw. Syndikusrechtsanwalt im Ausland für das Unternehmen tätig zu werden. Dies könnte einen Aufenthalt in fernen Ländern und Regionen wie den USA oder Asien ermöglichen. Beinhaltet der Berufswunsch, die „Karriereleiter“ bis ganz nach oben zu steigen, sollte sich indes bewusst gemacht werden, dass viele Unternehmen die klassischen Aufstiegschancen – vergleichbar zum Partner in einer Kanzlei – nicht anbieten. Jedoch hätten einige Unternehmen, laut Bernard, auf diese Karrierewünsche reagiert und böten „Expertenkarrieren“, zugeschnitten auf Bereiche wie dem Kartellrecht, an.  

Fazit: Syndikustätigkeit kann sehr vielseitig sein

Für diejenigen, die neben dem Interesse an juristischer Arbeit zum Beispiel technische oder betriebswirtschaftliche Tätigkeiten in ihrem Berufsleben nicht missen wollen, scheint die Syndikustätigkeit eine sehr gute Option zu sein, die ernsthaft – und vielleicht sogar schon im Rahmen einer Station im Rechtsreferendariat – in Betracht gezogen werden sollte. Die Veranstaltung „Referendariat – und was dann? – Die Tätigkeit des Rechtsanwalts im Unternehmen“ hat sicher dazu beigetragen, einige Fragen der Zuhörerinnen und Zuhörer beantwortet und vielleicht auch bei einigen Interesse an der Syndikustätigkeit geweckt zu haben!

Foto: Adobe Stock/Robert Kneschke

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Teilnehmerbericht: „Rapid Prototyping“-Workshop bei recode.law

In Deutschland setzen sich zahlreiche studentische Initiativen mit ihren Partnern für eine digitale juristische Ausbildung ein. Sie bieten zur Ergänzung universitärer Veranstaltungen Vortragsreihen und Workshops an. Dabei beschäftigen sie sich nicht nur mit Legal Tech. Sie setzen sich auch mit Trends aus anderen Bereichen auseinander, die eine neue Perspektive auf den juristischen Arbeitsalltag erlauben. So veranstaltete die Münsteraner Initiative recode.law am 02.09.19 einen „Rapid Prototyping“-Workshop in den Räumlichkeiten ihres Kanzleipartners Noerr in Düsseldorf.

Entwicklung eines Legal Tech-Prototypen

Nach einer Begrüßungs- und Vorstellungsrunde begann der Workshop mit einem Impulsvortrag zur Relevanz und Bedeutung des Themas „Legal Tech“.

Anschließend übernahm der Workshopleiter David Middelbeck die Bühne, um den Teilnehmerinnen und Teilnehmern das Konzept des „Rapid Prototyping“ näher zu bringen:

Was ist „Rapid Prototyping“?

„Rapid Prototyping“ bezeichnet eine möglichst einfache, schnelle und kostengünstige Methode, um aus abstrakten Ideen konkrete Lösungsvorschläge zu entwickeln. Das Konzept erlaubt eine kollaborative Zusammenarbeit und ermöglicht es, bereits in einem frühzeitigen Entwicklungsstadium Schwächen eines Produkts zu erkennen und wertvolles Feedback von potenziellen Kunden einzuholen. Bislang wird Rapid Prototyping vor allem von Unternehmen wie Google, Amazon und Apple genutzt. Als Designmethode kann das Erstellen eines digitalen Prototyps aber auch bei der Entwicklung von Legal Tech-Tools eine neue Perspektive schaffen.

Aufgabe der teilnehmenden Studierenden war es nun, mit diesem neu erlangten Wissen in kleinen Teams einen ersten digitalen Prototyp zu entwerfen. Die Anwendungen orientierten sich dabei stark an tatsächlichen Problemen aus dem Kanzleialltag, waren letztlich aber fiktional:

  1. Digitaler Workstream: Die ersten beiden Gruppen wurden von der Praxisgruppe „Digital Business“ mit der Erstellung eines Tools beauftragt, das den jeweiligen Arbeitsstand einzelner Teams in der komplexen Beratung einer internationalen Großbank digital abbilden sollte. Diese hatte die Kanzlei zuvor mit einer umfassenden Umstrukturierung ihrer Geschäftsorganisation mandatiert. Bei der Beratung des Mandanten war eine Beteiligung zahlreicher Experten aus verschiedenen Praxisgruppen erforderlich, deren Koordination sich als besondere Herausforderung herausstellte. Aufgabe der Teilnehmerinnen und Teilnehmer war es daher, ein Tool zu entwerfen, dass alle vom Mandanten zur Verfügung gestellten Informationen für alle Bearbeiter zugänglich macht und den gesamten Arbeitsprozess digital darstellt.

  2. Digitales Knowledge-Management-Tool: Angesichts der stetig zunehmenden Regulierungsdichte im Bereich der Financial Services sah sich die Praxisgruppe Regulatory dazu veranlasst, ein Knowledge–Management-Tool für das kanzleiinterne Intranet in Auftrag zu geben. Drei weitere Teams sollten daher eine Anwendung entwerfen, die es Anwältinnen und Anwälten bei der Beratung von Banken, Kreditinstituten und Versicherungen ermöglicht, neben der Mandatsarbeit dauerhaft auf dem neusten Stand zu bleiben und sich über aktuelle Rechtsprechung und Gesetze zu informieren. Neben sofortigen Benachrichtigungen bei relevanten Änderungen, sollte das möglichst benutzerfreundliche Tool außerdem einen zentralen, digitalen Ablageort für neue Dokumente bieten und geeignete Ansprechpartner festlegen.

  3. Digitaler Fristenkalender: Insbesondere in Massenverfahren war es für Anwältinnen und Anwälte bisher schwierig, einen Überblick über einzuhaltende gerichtliche und außergerichtliche Fristen zu behalten. Eingehende Fristen wurden in Excel-Tabellen festgehalten und wöchentlich an die Mitarbeiter des Litigation-Teams verschickt. Aufgabe der letzten beiden Teams war es daher, diesen langwierigen und fehleranfälligen Arbeitsprozess effizienter zu gestalten. Sie sollten einen digitalen Fristenkalender entwerfen, der den jeweils zuständigen Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälten einen Überblick über dringende Verfahren, generelle Arbeitsbelastung und Supportzuteilung verschafft.

Das Tool sollte sich dabei nach Möglichkeit beim Eingang neuer Fristen und dem Versand fertiger Schriftsätze automatisch aktualisieren.

 

Schnell erhielten die ca. 35 Teilnehmer die Möglichkeit, erste Konzeptideen zu visualisieren und sich von den anderen Gruppen Feedback einzuholen. In Diskussionen wurde an den Ideen gefeilt und fleißig skizziert. Im nächsten Schritt begannen die Gruppen damit, die zuvor entworfenen Sketches, also Entwürfe, zum Leben zu erwecken. Dabei kam es nicht darauf an, ein vollständig funktionsfähiges Tool zu entwickeln. Vielmehr sollte mithilfe einer Software ein visuell möglichst realitätsnaher Prototyp erstellt werden, der eine Vorstellung der Kernfunktionen des Tools erlaubt.

Im Anschluss an die Arbeitsphase erhielten die sieben Gruppen die Möglichkeit, ihre Ergebnisse in einer kurzen fünfminütigen Präsentation vorzustellen. Anschließend beurteilte eine Jury aus Kanzleivertretern die Ergebnisse der Gruppen. Abgerundet wurde der Workshop durch den anschließenden Austausch mit Anwältinnen und Anwälten und anderen Teilnehmerinnen und Teilnehmern.

Fazit: Praxisnaher Legal Tech-Workshop

Durch meine Teilnahme am „Rapid Prototyping“-Workshop der studentischen Initiative recode.law wollte ich mehr über das Design-Konzept „Rapid Prototyping“ erfahren und die Gelegenheit nutzen, gemeinsam mit anderen Teilnehmerinnen und Teilnehmern einen ersten eigenen Prototypen für eine App zu erstellen. Praxisnahe Anwendungsbeispiele, sehr gute Impulsvorträge und hilfreiche Tipps der Mentoren machten die Veranstaltung von recode.law letztlich zu einem gelungenen Workshop, der einen Blick über den juristischen Tellerrand ermöglichte und seine Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit einer neuen Perspektive zurücklässt.

Fotos von: manorlux.de

Über den Autor: Steffen Kootz

Über den Autor: Steffen Kootz

Steffen Kootz ist Student an der Göttinger Georg-August-Universität Göttingen. Als Gründer und Vorstandsvorsitzender der studentischen Initiative eLegal setzt er sich gemeinsam mit seinen Kommilitonen für eine praxisnahe, zukunftsgerichtete und digitale juristische Ausbildung ein.

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Gründe gegen Jurastudium

Gute Übungsklausuren und trotzdem durchgefallen – Wie soll ich jetzt weitermachen?

Wie kann es im Jurastudium sein, dass man trotz intensiver Vorbereitung mit Übungsklausuren sein Examen nicht packt? Manchmal scheint es, als ob ihr selbst nur sehr bedingt beeinflussen könnt, wie eure Examensprüfungen tatsächlich ablaufen. In diesem Beitrag erfahrt ihr, wie ihr damit umgeht.

Gestern hatte ich ein Gespräch mit einer sympathischen Jurastudentin, die mir aus ihrem Leben erzählt hat. Sie hat in Vorbereitung auf ihr Examen viele Klausuren geschrieben, ein Repetitorium besucht, hat sich gut vorbereitet, und über 50 Übungsklausuren geschrieben – keine schlechter als 6 oder 7 Punkte. Dann hat sie ihr Examen geschrieben und hat jetzt vor vier Wochen ihre Ergebnisse zurückbekommen – sie ist durchgefallen. Das ist mal wieder so ein typischer Fall von: „Jura is a bitch!“ Damit kann nun wirklich keiner rechnen. Wie geht man mit solchen Fällen um?

Umgang mit Übungsklausuren: Sorgt euch nicht, aber seid euch nicht zu sicher!

Ihr wisst, im Jurastudium sollte man sich keine Sorgen machen, wenn man keine besonders tollen Übungsklausuren schreibt – aber man darf sich auf der anderen Seite auch nicht zu sehr in Sicherheit wiegen, wenn man regelmäßig gute oder sehr gute Ergebnisse erzielt, denn abgerechnet wird am Ende in der Examensprüfung. Das ist krass, aber das ist Jura. Ich habe der Jurastudentin erzählt, dass es bei mir tendenziell eher andersherum war. Ich bin in den Übungsklausuren im Repetitorium häufig durchgefallen. Dabei habe ich ungefähr jede Woche eine Klausur geschrieben und war dann im Examen deutlich besser als in den Übungsklausuren. Es kann eben auch andersherum sein!

Wie nach Schock trotz guter Übungsklausuren umgehen?

Was habe ich der Jurastudentin geraten? Ich habe zu ihr gesagt: „Ich kann sehr gut nachvollziehen, dass du in so einer Situation wirklich keinen Bock mehr auf Jura hast. Du wiegst dich in Sicherheit, du denkst: ‚Jura macht Spaß, ist cool und interessant. Ich hab Examens-Übungsklausuren, die funktionieren, ich mach‘ mir keine Sorgen‘. Doch plötzlich kriegt man im Examen so einen Schlag auf den Hinterkopf, dass es sich nur so dreht. Man stellt alles in Frage!” Ich kann mir vorstellen, dass es dann beim zweiten Anlauf echt schwierig ist, sich zu motivieren. Man hat immer so „ein Teufelchen“ auf der Schulter, das sagt: „So wie du lernst, hat es beim letzten Mal nicht geklappt. Das wird nicht reichen.“ Dagegen anzukämpfen, darauf sollte man die ganze Energie stützen!

Nach der Examensniederlage Abstand nehmen!

Ich rate niemandem dazu, Jura zu studieren, wenn sie oder er es nicht selbst will. In solchen Situationen empfehle ich, mit genügend Abstand – auch mit ein bisschen Urlaub – sich über folgende Fragen Gedanken zu machen: Was ist eigentlich mein Ziel? Was will ich machen? Hab ich die ganze Zeit schon mit meinem Jurastudium gehadert und ist vielleicht jetzt die Quittung dafür gekommen, dass ich auf dem „falschen Dampfer“ war? Oder stelle ich nach einer kleinen Auszeit fest: „Ne, das lief zwar alles katastrophal, aber Jura ist trotzdem das, was ich machen will! Deshalb werde ich jetzt meine Zähne zusammenbeißen und noch mal mit Vollgas ranklotzen.“

Was ich in dieser Situation nicht machen würde ist, mit dem Lernen sofort weiterzumachen.  In seinem Innersten hat man so viel Gegenwind und negative Energie in sich. Genau das habe ich im Telefonat mit der Jurastudentin gemerkt: Diese Fassungslosigkeit war immer noch da.  „Das kann doch nicht sein, dass ich jetzt so eine Quittung bekomme!“ Wer gegen eine solche negative Energie ankämpfen muss, wird nicht vorankommen.

Niederlage nutzen, um Kompass neu auszurichten

Um diese Hürde zu überwinden, solltet ihr deswegen erst „den Kompass neu ausrichten“ und überlegen: Warum will ich das Ganze? Was kann ich damit machen? Welchen Job möchte ich später machen? Ist Jura wirklich das, was ich machen will? Und wenn ich sage „Ja, das ist genau das, was ich machen will und ich bin auch nicht zu doof, dann muss man an der inneren Einstellung – am Mindset – arbeiten und sagen: „Vielleicht hatte ich einen Blackout oder ich habe den mentalen Druck nicht durchgehalten.“

Wenn man einmal trotz intensiver Vorbereitung durch das Examen gefallen ist, ist das mit Sicherheit eine Riesen-Herausforderung, diesem Druck über mehrere Tage standzuhalten und jeden Tag wieder aufs Neue zu sagen: „Egal wie beschissen die Klausur gestern war, egal wie beschissen die Klausur vorgestern war: Heute ist ein neuer Tag und heute gebe ich Vollgas.“ Das ist das Wichtigste – sich in so einer Situation mental zu stärken und sich über folgende Frage im Klaren zu werden: Warum will ich Jura studieren und traue ich mir das selbst zu?

Wenn man durchgefallen ist, würde ich das ein bisschen sacken lassen. Dann ist der Druck auch nicht mehr so hoch. In diesem Falle kann man die ein oder andere Klausur ruhig ein bisschen schieben. Auf drei Monate mehr oder weniger kommt es nicht an. Stattdessen kommt es eher darauf an, seine innere Stärke und Überzeugung aufzubauen und zu wissen, dass man auf dem richtigen Weg ist –  und dann gilt es,  noch mal Gas zu geben!

Dennoch: Übungsklausuren sind das objektivste Mittel zur Examensvorbereitung!

Abgesehen davon sollte man sich bewusst machen: Übungsklausuren – das ist definitiv objektiver als die ganze Lernerei. Ich empfehle, mindestens einmal pro Woche eine Klausur unter Examensbedingungen zu schreiben, also ohne Hilfsmittel. Eventuelle Fehler sollte man hier auch regelmäßig nacharbeiten. Das ist aus meiner Sicht tatsächlich der objektivste Maßstab für die Vorbereitung. Wer sich dann sagen kann: „Ja, das ist wirklich das, was ich machen will!“ Dann glaub an dich! Wenn du es bis zur Zulassung des Examens geschafft hast, wird es danach auch nicht scheitern. Wenn du dann scheiterst, dann scheiterst du nur wegen deiner Einstellung.

Insofern: Haltet alle durch, die ihr vielleicht in einer ähnlichen Situation seid. Lasst euch von Jura nicht kleinkriegen! Ganz ehrlich, das haben schon andere geschafft!

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Foto: Adobe Stock/ HEIDEMARIE

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Jurastudium scheitert

Warum scheitert das Jurastudium? Drei Gründe

In diesem Beitrag soll es nicht darum gehen, das Scheitern im Jurastudium herbei zu beschwören! Stattdessen nenne ich hier die häufigsten Stolpersteine, die Scheitern im Jurastudium begünstigen können und wie Ihr diese vermeiden könnt.

Jede Studienphase hat einen anderen Stolperstein

Welche der drei Stolpersteine einem im Jurastudium begegnen, hängt natürlich auch davon ab, in welchem Stadium man sich im Studium befindet: Ist man noch ganz am Anfang des ersten Semesters und  hatte vielleicht noch gar keine Berührungen mit den wirklichen Herausforderungen? Ist man gerade in der Mitte und widmet sich dem Schwerpunktbereich? Vielleicht bist du aber auch schon in der Examensvorbereitung und siehst den Wald vor lauter Bäumen nicht?

Jura-Stolperstein Nr. 1: So viel Lernstoff!

 „Dominik, das ist so viel Stoff! Wie soll man das alles lernen?“ höre ich oft von meinen Zuschauern. Ja, es ist richtig. Jura ist unfassbar viel Stoff. Das wird einem erst bewusst, wenn man schon mittendrin ist – vergleichbar mit jemandem, der in einem Sumpf steckt und versucht, sich irgendwie zu befreien und dabei immer tiefer und tiefer sinkt. Man merkt es erst nach und nach. Schließlich ist es ja nicht so, dass man im ersten Semester den ganzen Stoff für das ganze Studium auf den Tisch geknallt bekommt und sagt: „Oh, das ist aber viel!“ Stattdessen fängt es sachte an. Man beschäftigt sich ein bisschen mit Strafrecht, Zivilrecht, ein bisschen mit Öffentlichem Recht…und irgendwann kommt die Erkenntnis: „Oh, das wird aber viel!“ Bis man sich in der Examensvorbereitung wiederfindet und feststellt: Die ganze Bandbreite ist verdammt viel – aber davon darfst du dich nicht einschüchtern lassen!

Lass die Methodik hinter dem Jurastudium nicht außer Acht

Im Jurastudium geht nicht darum, das ganze Zeug auswendig zu lernen. Jura ist nicht wie vielleicht Medizin (Ich habe Medizin nicht studiert, aber kenne Leute, die es getan haben), Magisterstudiengänge oder Bachelor- und Masterstudiengänge, bei denen man auswendig lernt und einfach wiedergibt. Bei Jura geht es darum, Wissen anzuwenden und die Methodik zu verstehen – sich eine juristische Denkweise anzueignen. Was ist Subsumtion? Wie funktioniert das eigentlich, einen individuellen Sachverhalt auf ein Gesetz herunter zu brechen und zu prüfen: Fällt der Sachverhalt unter dieses Gesetz oder nicht? Das ist die juristische Arbeitsweise.

Gesetze statt Lehrbücher lesen!

Natürlich muss man im Jurastudium extrem viel Wissen ansammeln und parat haben, aber viel wichtiger ist die Arbeit mit dem Gesetz. Lass dich von dem Stoff nicht einschüchtern, sondern triff die Entscheidung, so viel wie möglich mit dem Gesetz zu arbeiten. Verlier dich nicht in irgendwelchen Lehrbüchern, die du Stunden lang liest. Komm gar nicht auf die Idee, ein Lehrbuch von Anfang bis Ende durchzulesen, das hab ich im ersten Semester auch gemacht, zum Beispiel im Strafrecht. Völliger Quatsch! Am Anfang deines Studiums weißt du nämlich gar nichts mit diesen Problemen anzufangen. Werfe lieber einen Blick ins Inhaltsverzeichnis, um dir einen Überblick zu verschaffen.

Lies dich durchs Gesetz, mach dir eigene Gedanken dazu und denk daran: Wenn ein Paragraph zwei Absätze hat, dann haben diese wahrscheinlich auch unterschiedliche Inhalte. Gehe also nie davon aus, dass Absatz 2 komischerweise das Gleiche regelt wie Absatz 1. Überleg dir, was könnte das denn sein? Was könnte der Unterschied zwischen Absatz 1 und Absatz 2 sein? Mach dir deine eigenen Gedanken. Lass dich vom Stoff nicht einschüchtern, sondern lerne, dass das Gesetz für dich sowas wie das Rückgrat ist. Wenn du gut mit dem Gesetz arbeiten kannst, wirst du auch irgendwie den Stoff in den Griff bekommen. Verlier dich nicht in Lehrbüchern, lerne Lehrbücher nicht auswendig, sondern nutze Lehrbücher nur punktuell und nur da, wo es nötig ist.

Jura-Stolperstein Nr. 2: Klausurangst

Das führt direkt zum zweiten Stolperstein im Jurastudium – die Angst vor Klausuren. Was ist, wenn eine Klausur dran kommt, die ich nicht kenne? Antwort: Ist überhaupt nicht schlimm! Wahrscheinlich kennt ein Großteil derjenigen, die mit dir diese Klausur schreiben das Thema auch nicht. Mach dich nicht verrückter als es unbedingt sein muss. Wenn du gelernt hast, mit dem Gesetz zu arbeiten, wirst du jede Klausur lösen. Pflanz dir aber selbst nicht eine Blockade ins Hirn, die dir sagt: „Ich kann die Klausur nicht lösen, weil ich das nicht gelernt habe und überhaupt…Ich habe Prüfungsangst…“ Sag dir stattdessen: „Jede Klausur hat eine Lösung!“ Wenn du diesen Grundsatz verinnerlichst, wirst du in der Klausur so lange überlegen und daran herumknabbern bis du eine Lösung gefunden hast. Verlier auf keinen Fall die Nerven in der Klausur!

Jede Klausur hat eine Lösung!

Lerne in der Klausur, das anzuwenden, was du zur Verfügung hast – vielleicht ein bisschen Wissen, das du dir angelesen hast, oder vielleicht fällt dir auch tatsächlich eine Entscheidung ein, die grob in eine Richtung ging, aber arbeite vor allem mit dem Gesetz. Wenn du eine Entscheidung im Kopf hast, prüfe trotzdem nochmal den Fall. Lass dich nicht leiten von einem Ergebnis, das du im Kopf gespeichert hast, denn bei Jura zählt nicht das Ergebnis!

Wenn das Ergebnis richtig ist, aber der Weg dahin falsch, weil die Argumentation inkonsequent ist, bringt das überhaupt nichts. In der Klausur kommt es darauf an, dass der Weg der Argumentation konsequent und stringent ist; das heißt gut begründet. Dann kommst du auch zu einem Ergebnis. Am Ende kannst du dies noch mal prüfen: Passt das zu meinem Rechtsgefühl? Nimm in jedem Falle das Ergebnis als das, was es ist – das Ende eines Prüfungsweges. Aber habe keine Angst vor Klausuren! Jede Klausur hat eine Lösung.

Jura-Stolperstein Nr. 3: sich einschüchtern lassen

Der dritte Stolperstein ergibt sich dadurch, dass Jurastudierende eingeschüchtert sind, weil sie Angst haben, dass sie die guten Noten nicht erreichen und deswegen nie einen Job bekommen. Ihnen wird ständig beigebracht: Es ist so wahnsinnig schwierig, gute Noten zu bekommen. Sie fragen sich: Wie soll ich das alles schaffen? Wie soll ich mir den ganzen Stoff merken? Wie soll ich die ganzen Klausuren gut schreiben?

Ich sage: Wenn du es wirklich willst, wenn du Jura studieren und deinen Abschluss machen willst, dann gibt es nur einen Weg, um dich diesen Ängsten zu stellen: Arbeit. Setz dich in die Bibliothek und fang an, mit dem Gesetz zu arbeiten. Schreib deine ersten Übungsklausuren und lies nicht in Lehrbüchern, um dir selber vorzutäuschen, dass du gerade am Lernen bist. Fordere dich heraus, löse Klausuren eigenständig ohne Lösungsskizze und prüfe hinterher: Was steht in der Lösungsskizze? Arbeite nach. Wenn du dich einmal herausgefordert hast, wirst du auch Schritt für Schritt immer besser – glaub mir!

Nicht aufschieben, machen

Man sieht immer nur das, was man noch nicht kann. Auch kurz vor dem Examen werden die meisten denken: „Oh Gott, ich kann Erbrecht nicht! Oder Familienrecht, das hab ich nicht gemacht…“ In der Regel erkennt man nie das, was man schon gelernt und verstanden hat, welchen Weg man schon zurückgelegt hat. Deswegen, mach dir das ruhig immer bewusst!

Überleg dir, was du am Anfang wusstest, wo dein Stand war und wo du jetzt bist. Das muss man sich leider selbst immer wieder „mit Gewalt eintrichtern“. Sonst denkt man immer nur: „Ich hab immer noch nicht alles verstanden, deswegen schieb ich die Klausur noch mal auf…“ Aber das ist ein Irrglaube, denn Arbeit dehnt sich immer in dem Maße aus, wie viel Zeit für sie zur Verfügung steht. Wer für seine Examensvorbereitung vier Jahre hat, wird vier Jahre brauchen und trotzdem nicht fertig werden. Wer ein Jahr zur Verfügung hat, wird sich in diesem Jahr disziplinieren und das Ding durchziehen. Lass es nicht so weit kommen!

Gehe erhobenen Hauptes durch das Jurastudium. Du hast es dir ausgesucht. Wenn du aber sagst: Ich habe wirklich keinen Bock mehr – nicht: Ich schaffe es nicht, sondern: Ich will nicht mehr, dann ist das deine Entscheidung – triff sie aber weise und bewusst!

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Foto: Adobe Stock/MKS

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Summer School Legal Tech

Summer School Legal Tech – Darum macht sie Sinn

Jurastudierende haben genug mit Klausuren und Lernstoff zu kämpfen. Warum sollten sie trotzdem eine Veranstaltung wie die Summer School Legal Tech besuchen? Diese Frage beantwortet Mit-Initiator und Veranstalter Prof. Dr. Stephan Breidenbach im Interview.

Herr Professor Breidenbach, was lernt man auf der Legal Tech Summer School?

Die Digitalisierung wird die Zukunft des Rechts prägen. Wer wissen will, welche Entwicklung hier im Gange ist und welche Trends sich im künftigen Berufsleben möglicherweise realisieren, kann sich hier einen Eindruck verschaffen. Das Thema Legal Tech ist außerdem sehr spannend. Studierende der Rechtswissenschaften haben ein Recht auf interessante und inspirierende Veranstaltungen.

Welche Zielsetzung verfolgt das Programm der Summer School Legal Tech? Bekommen Teilnehmer/innen einen Überblick darüber, was Legal Tech überhaupt ist oder geht es mehr darum, eigene Ideen umzusetzen?

Ziel der Summer School Legal Tech ist es, einen Überblick über die Digitalisierung im Recht zu geben. Die zentralen Themen sind die Industrialisierung und Automatisierung von Rechtsdienstleistungen, Blockchain und Künstliche Intelligenz. Das ist verbunden mit praktischen Übungen, damit anschaulich wird, wie die Umsetzung funktioniert. Für eigene Ideen ist ebenfalls Zeit vorgesehen. 

Die Programminfos auf der Veranstaltungs-Website sind recht allgemein gehalten. Könnten Sie vielleicht ein konkretes Beispielprojekt nennen, an dem Teilnehmer/innen des Workshop arbeiten werden oder ein Vorgeschmack darauf geben, welche Referenten und Coachies diesmal dabei sind?

Wir werden uns mit der Zukunft von Verträgen beschäftigen. Dazu gehören auch praktische Übungen, wie digitale Vertragsgeneratoren und -Systeme heute gebaut werden können. Gründer und Wissensarchitekten von Legal OS geben einen Einblick in ihre Praxis und arbeiten mit den Teilnehmern an einem Beispiel. Das gleiche wird Dr. Tilo Wend von knowledgeTools/betterlaw tun. Er wird mit den Teilnehmern eine Rechtsdienstleistung  automatisieren. Phillip Caba von der GDR wird vorstellen, wie Massenklagen auf „digitalen Fertigungsstrassen“ abgewickelt werden können.

Werden nur Studierende aus den Rechtswissenschaften teilnehmen oder auch Studierende aus anderen Disziplinen wie z. B. der Informatik?

Die Summer School Legal Tech ist für Studierende aller Fachrichtungen offen. Es haben sich auch Informatiker angemeldet.

Herr Prof. Breidenbach, ich danke vielmals für das Gespräch!

Über die Summer School Legal Tech 

Die Summer School Legal Tech findet vom 23.-25. September in Berlin statt und wird von der Europa-Universität Viadrina sowie dem Legal Tech Center ausgerichtet. Die Teilnahme ist kostenlos und steht Studierenden und Referendaren offen. Ins Leben gerufen wurde sie von den Legal Tech-Experten Prof. Dr. Stephan Breidenbach und Florian Glatz.

Wann: 23.-25.09.2019
Wo: Mazars, Alt-Moabit 2, 10557 Berlin

Hier geht es zur Anmeldung

 

Video zur Summer School Legal Tech 2018

Prof. Dr. Stephan Breidenbach

Prof. Dr. Stephan Breidenbach

Prof. Dr. Stephan Breidenbach ist Hochschullehrer, Mediator und Unternehmer. Er hat den Lehrstuhl für Bürgerliches Recht und internationales Wirtschaftsrecht an der Europa-Universität Viadrina und eine Professur für Mediation an der Universität Wien. Als Pionier im Legal Tech Bereich arbeitet er mit knowledgeTools International, Legal OS, Betterlaw und dem Legal Tech Center der Viadrina an der Digitalisierung des Rechts und an mehr Zugang zum Recht.

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Lerntools Jurastudium Lerntipps

Lerntools für‘s Jurastudium – so findet ihr was zu euch passt

Fünfstündige Übungsklausuren, Karteikartenstapel und dazwischen Kaffee trinken. Dass das Jurastudium eine Menge Lernstoff mit sich bringt, ist kein Geheimnis. Welche Lernmittel zum Erfolg führen, ist dabei umstritten. Ist man sich jedoch seiner Lernziele und Vorlieben im Klaren, finden sich aber zahlreiche Helfer – analog und digital.

Herausforderung Jurastudium – lernen will gelernt sein

Die Examensvorbereitung erfordert nach dem Grundstudium eine neue Herangehensweise. Zeitraum, Inhalte und Schwerpunkte müssen selbst festgelegt werden, das Niveau der Klausuren steigt. Denn anstatt jeweils Klausuren zum Deliktsrecht, Vertragsrecht oder Sachenrecht zu schreiben, müssen die Rechtsgebiete nun miteinander verknüpft werden. Hinzu kommt die Möglichkeit, von neuen Inhalten im Examen überrascht zu werden, so dass das juristische Handwerkszeug noch bedeutsamer wird.

Ist die erste Hürde geschafft, wartet schon das Referendariat. Hier muss nicht nur der „alte Stoff“ sitzen, sondern es müssen gleichzeitig neue Klausurtypen und prozessrechtliche Themen eingeübt werden – parallel zur Arbeit in den Stationen.

Unter diesen Umständen ist jeder zusätzliche Organisationsaufwand doppelt belastend. Deshalb sollte man sich nach Hilfsmitteln umschauen.

Jura-Lernmittel – von Karteikarten am Schreibtisch bis zu Apps im Bus

Dabei gibt es viele Möglichkeiten, den Stoff zu erlernen und zu wiederholen. Während die einen gerne aus dem Bibliotheksmaterial eigene Skripte und Karteikarten verfassen, greifen andere auf zugeschnittene Angebote von Repetitorien wie Alpmann Schmidt oder Hemmer zu.

In beiden Fällen kann eine zusätzliche Lerngruppe besonders hilfreich sein. Hierdurch erkennt man eigene Schwächen und vertieft bereits Erlerntes, indem man es der Lernpartnerin oder dem Lernpartner erklärt. Hinzu kommt, dass man sich gegenseitig motiviert. Auch hier gibt es verschiedene Varianten. Wie oft man sich trifft, ob man Klausuren löst oder sich abfragt und wie groß die Gruppe sein soll, ist Geschmackssache.

Ist man hingegen der Meinung, dass man am eigenen Schreibtisch am besten vorankommt, ersparen digitale Angebote den Weg zur Bibliothek oder zum Gruppenunterricht:

Auf „juraLIB“ kann man beispielsweise nicht nur eigene Mindmaps anlegen. Das Tool erlaubt es auch, auf fremde Mindmaps zuzugreifen und diese gemeinsam zu bearbeiten. Große Karteikarten-Pools lassen sich zusätzlich bei Programmen wie „Anki“ finden – eine besonders große virtuelle Lerngruppe sozusagen.

Und selbst den Repetitor kann man inzwischen virtuell besuchen. So bietet „Lecturio“ Aufzeichnungen kommerzieller Repetitorien für zuhause an.

Zur Jura-Lernroutine gehören auch Pausen!

Für manche ist die Fahrt zur Universität oder zum Repetitor aber auch ein geringeres Ablenkungsrisiko als die eigene Wohnung mit PC, dem Kühlschrank und den Mitbewohner/innen. Außerdem besteht die Gefahr, dass sich Freizeit und Arbeit nur noch schwer trennen lassen, so dass man „keinen freien Kopf mehr hat“. Wer jedoch keine Zeit zu verlieren hat, dem helfen Karteikarten-Apps oder zum Beispiel Angebote wie „Jurafuchs“ – eine App, mit der sich kleinere Fälle im Twitter-Format lösen lassen.

Insgesamt sollte man sich aus eigenem Interesse einen Überblick über Lernangebote und -tools für das Jurastudium verschaffen. Hat man erst einmal ein für sich passendes Angebot gefunden und eine effiziente Lernroutine entwickelt, gilt es, diese möglichst beizubehalten. Doch Achtung an Überfleißige: Zum Lernen gehören – wie beim Sport – Pausen! Nur so lassen sich die intensiven Phasen überhaupt durchhalten.

 Fazit: Juralernen bleibt individuell

Trotz zahlreicher Apps und Ratgeber bleibt das Jurastudium nach wie vor eine Herausforderung, die einem niemals abgenommen werden kann. Um diese zu meistern, finden sich sowohl digitale als auch analoge Hilfen. Dabei sollte man sich jedoch immer vor Augen halten: Die Schritt-für-Schritt-Anleitung zum Juralernen gibt es nicht. Jede/r muss sich seine individuelle Lernstrategie selbst erarbeiten. Neben der Auseinandersetzung mit Lernhilfen, ist hier kritische Selbstreflexion gefragt. Doch es lohnt sich: Gerade eine gute Lernorganisation zahlt sich aus, da sie den Alltagsdruck deutlich senken kann. Damit kann man sich auf das Wesentliche konzentrieren, nämlich die Lerninhalte, die Klausurtechnik und nicht zu vergessen: Das Leben neben dem Examen.

Juralern-Techniken und -Tools – unsere Empfehlungen

  • Ob Online-Community, Lerngruppe oder örtliches Repetitorium – zusammen lernt es sich besser. Nutze die Gelegenheit, dich auszutauschen
  • Auch digitale Angebote ermöglichen die Zusammenarbeit: Mit apps.ankiweb.net kannst Du eigene digitale Karteikarten erstellen, hochladen sowie mit anderen teilen und gemeinsam bearbeiten. Juralib.de bietet teilweise öffentlich zugängliche und teilweise kostenpflichtige Mindmaps/Schemata und Karteikarten an – für das erste Examen werden z. B. 734 Mindmaps zum Download angeboten.
  • Digitalisierte Lerninhalte und Apps wie Jurafuchs machen dich mobil und sorgen für Abwechslung im Bus, im Zug oder Wartezimmer
  • Ist dir zeitliche Flexibilität wichtig, bietet Lecutiro.de jederzeit abrufbare Videokurse für das erste und zweite Staatsexamen an

Foto: Adobe Stock/Wasana

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