Anwaltsgehalt

Klischeecheck: Geht es Anwälten nur ums Geld?

Heute machen wir mal einen kleinen Ausflug in die Welt der Klischees und sprechen das beliebteste Klischee über Anwältinnen und Anwälte an: „Anwälten geht’s doch nur ums Geld!“ Stimmt das wirklich? Es gab mal einen Fall dazu, über den in der Süddeutschen Zeitung berichtet wurde. Dort hat ein Anwalt ein Stundenhonorar von mehr als 5500 Euro verlangt – und das Gericht gab ihm Recht. Soetwas schürt natürlich alle Phrasendrescher, die sagen: „Anwälte verdienen ohnehin schon zu viel Geld und jetzt verdienen die noch 5.500 Euro pro Stunde. Das verdienen ja andere nicht mal im Monat!“

Wie rechnen Anwälte überhaupt ab? Kleiner Ausflug ins RVG

Was man dazu wissen muss: Als Anwältin oder Anwalt hat man im Prinzip zwei Möglichkeiten, Geld zu verdienen. Man kann entweder eine Vergütungsvereinbarung unterschreiben lassen, in der steht: pro geleistete Arbeitsstunde wird Summe x bezahlt – das sind üblicherweise zwischen 150 und 400 Euro und ist abhängig vom Ort und vom Anwalt bzw. der Anwältin – samt Berufserfahrung und Qualifikation – selbst. Wer 5.500 Euro in eine solche Vergütungsvereinbarung schreibt, der wird diese Vereinbarung im Zweifel nie unterzeichnet bekommen, denn diesen Preis finden die meisten potentiellen Mandanten natürlich nicht angemessen. Anwältinnen und Anwälte können aber auch über das Rechtsanwaltsvergütungsgesetz –kurz RVG– abrechnen und das richtet sich nach dem Gegenstandswert. Wenn der Gegenstandswert niedrig ist, ist die Anwaltsvergütung niedrig, wenn der Gegenstandswert hoch ist, ist die Anwaltsvergütung hoch. Das heißt, wenn es in einem Gegenstandswert um 100.000 oder 500.000 Euro oder auch um eine Million Euro geht, dann redet man auch bei der Anwaltsvergütung von mehreren tausend Euro und nicht von 100 oder 150 Euro insgesamt. Da geht es schnell um hohe Summen.

Wie wird denn nun abgerechnet? Vergütungsvereinbarung vs. RVG

Wenn eine Anwältin oder ein Anwalt nur eine Stunde auf Vergütungsvereinbarungsbasis arbeitet, dann verdient er für diese Stunde vielleicht 150 oder 200 Euro. Wenn er aber eine Mandatsvereinbarung hat, in der steht, dass sie oder er nach RVG, dem Rechtsanwaltsvergütungsgesetz abrechnet, dann läuft es anders. Wenn sie oder er gar keine Mandatsvereinbarung hat, dann rechnet er sowieso nach RVG ab. Dann kann es sein, dass er nur eine Stunde arbeitet, weil er nur eine Vereinbarung aus der Schublade nimmt, die er schon vorformuliert hat, und zack, hat er für eine Stunde Arbeit ein paar tausend Euro verdient.

Jetzt kann man natürlich fragen: Ist das gerechtfertigt und fair? Für die eine Stunde Arbeit wahrscheinlich nicht. Wenn man das Risiko bedenkt, das sie oder er trägt, wenn der Gegenstandswert sehr hoch ist, dann vielleicht schon eher. Und um mal auf den Boden der Tatsachen zurückzukommen und ganz realistisch zu bleiben: Nicht jedes Mandat bringt 5.500 Euro pro Stunde.

Geht es Anwälten denn nun nur ums Geld oder nicht?

Um nochmal zurück zur Frage zu kommen, ob es Anwältinnen und Anwälten nur ums Geld geht. Ich würde sagen: Es gibt solche und solche. Das ist aber genauso der Fall bei Werkstattbetreibern, Handwerkern, Malern, Schreinern oder Heizungsinstallateuren. Den einen geht es mehr ums Geld, den anderen geht es mehr um die Sache. Die einen bewerten ihre Leistung ein bisschen höher, und verlangen etwas mehr Geld, die anderen machen es wiederum günstiger. Ich denke, man kann Anwältinnen und Anwälte da nicht über einen Kamm scheren. Es gibt mit Sicherheit auch welche, denen es nicht ausschließlich ums Geld geht, sondern um die Sache. Das wage ich jetzt einfach mal zu behaupten! Aber genauso gibt es das eben auch bei allen anderen Berufen.

Insofern würde ich sagen: Ja, Anwältinnen und Anwälte sind häufig gut bezahlt und uns geht es nicht schlecht. Das kann man aber von Managern und Ärzten genauso behaupten. Denen geht es auch nicht immer nur ums Geld. Also: Wenn das Klischee z.B. in einem Gespräch aufkommt, Anwälten ginge es nur ums Geld, dann wäre wichtig, dass ihr immer sagt: “Nein, das stimmt nicht. Anwälten geht´s um …jetzt fällt´s mir nicht ein ….ahja: Gerechtigkeit!“

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Repetitorium oder nicht?

Das Thema Repetitorium ist wahrscheinlich im Jurastudium so allseits präsent wie sonst nur die Examensnote – ein Thema, das einem wahrscheinlich schon ab dem ersten Semester immer wieder begegnet. In diesem Beitrag erfahrt ihr, ob sich ein Repetitorium lohnt und wann ihr damit anfangen solltet.

Ab wann ist ein Repetitorium sinnvoll?

Man kann extrem früh damit anfangen! Ich für meine Begriffe habe aber damals viel zu frühangefangen. Ich habe meinen ersten Crashkurs zur Vorbereitung auf einen großen Schein im dritten oder vierten Semester absolviert. Ich habe dafür durchaus viel Geld bezahlt, was man als Student ja nicht unbedingt so im Überfluss zur Verfügung. Außerdem hat man sich in erster Linie damit nur ein reines Gewissen erkauft, weil es alle anderen in meinem Bekanntenkreis auch gemacht haben. Vielleicht habe ich deswegen die Klausur bestanden, vielleicht auch nicht. Ich kann die Entscheidung für das Repititorium jetzt leicht in Frage stellen. Für meine Begriffe war es aber damals zu früh, denn ich finde ganz am Anfang sollte man nicht unbedingt so viel Geld dafür bezahlen müssen. Man kann durchaus erstmal versuchen, sich mit Lehrbüchern und den AGs, die von der Uni angeboten werden, an die Materie heranzutasten. Ab dem Zeitpunkt, an dem man sich für das eigentliche Examen vorbereitet, würde ich jedoch ein Repetitorium empfehlen.

Es gibt die großen kommerziellen Repetitorien von Alpmann Schmidt und von Hämmer, es gibt aber auch kleinere lokale Repetitorien, die nicht bundesweit tätig sind. Da muss man sich so ein bisschen an der Uni umhören, was die anderen machen und was einen guten Ruf hat – da kann man sich durchaus auch vom Schwarm lenken lassen. Alles in allem würde ich es empfehlen! Warum? Aus verschiedenen Gründen.

Gründe für ein Repetitorium

Zum einen wird der Stoff portioniert. Das heißt, man hat einen Zeitraum von ca. zwölf oder 18 Monaten, in denen man sich den Stoff aneignen muss und das sind teilweise große Brocken. Durch die Portionierung hat man aber den Horizont in gewisser Weise im Blick. Ich hatte damals viel zu viel Angst, mich zu verzetteln, wenn ich auf eigene Faust anfange zu lernen. Es gibt mit Sicherheit Leute, die das hervorragend können, aber für mich war das damals nichts –  ich brauchte diese Portionierung. Der zweite Grund ist, es gibt extrem gute Klausurenkurse, die in diesem Gesamtpaket immer schon mit drin sind (interne Verlinkung zum Beitrag über Übungsklausuren). Ich würde unbedingt empfehlen in der Examensvorbereitung regelmäßig Übungsklausuren zu schreiben! Es gibt hervorragende Klausurenkurse mit der entsprechenden Besprechung und auch eine Lösungsskizze. Denn eine Übungsklausur bringt nichts, wenn man sich danach nicht damit beschäftigt und es nicht aufarbeitet.

Kommerzielles oder Uni-Repetitorium?

Ich höre immer wieder, dass es mittlerweile sehr gute Uni-Repetitorien gibt. Das hängt auch mit Sicherheit vom Studienort ab und hat sich bestimmt auch weiterentwickelt, aber nach meiner Erfahrung war es so, dass mich die Uni-Repetitorien damals, gerade was die Klausuren angeht, nicht so richtig überzeugt haben. Man hat zwar Klausuren geschrieben, aber die Lösungsskizzen waren nur mittelprächtig und Besprechungen gab es gar keine. Insofern war für mich damals das kommerzielle Repetitorium der bessere Weg. Ich habe es auch nicht immer geschafft, alle Zeitpläne einzuhalten und ich habe auch nicht immer alle Klausuren mitgeschrieben, aber es war für mich auf jeden Fall der richtige Weg.

Repetitorium hin oder her: Man kann nie genug wiederholen!

Also was kann ich euch empfehlen? Ich würde das Thema auf jeden Fall im Blick behalten, meistens kann man auch kostenlos ein paar Kurse besuchen. Hört euch ein bisschen um, wo die meisten Leute hingehen – da ist dann meistens auch irgendetwas dran. Unterm Strich würde ich, gerade in der stressigen Phase kurz vor dem Examen, dazu raten, ein Repetitorium zu besuchen. Zumindest den Klausurenkurs. Man kann nie genug Übungsklausuren schreiben und dann klappt es bei euch mit dem Examen bestimmt auch ganz hervorragend.

Ich drücke euch fest die Daumen!

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Teilnehmerbericht: „Rapid Prototyping“-Workshop bei recode.law

In Deutschland setzen sich zahlreiche studentische Initiativen mit ihren Partnern für eine digitale juristische Ausbildung ein. Sie bieten zur Ergänzung universitärer Veranstaltungen Vortragsreihen und Workshops an. Dabei beschäftigen sie sich nicht nur mit Legal Tech. Sie setzen sich auch mit Trends aus anderen Bereichen auseinander, die eine neue Perspektive auf den juristischen Arbeitsalltag erlauben. So veranstaltete die Münsteraner Initiative recode.law am 02.09.19 einen „Rapid Prototyping“-Workshop in den Räumlichkeiten ihres Kanzleipartners Noerr in Düsseldorf.

Entwicklung eines Legal Tech-Prototypen

Nach einer Begrüßungs- und Vorstellungsrunde begann der Workshop mit einem Impulsvortrag zur Relevanz und Bedeutung des Themas „Legal Tech“.

Anschließend übernahm der Workshopleiter David Middelbeck die Bühne, um den Teilnehmerinnen und Teilnehmern das Konzept des „Rapid Prototyping“ näher zu bringen:

Was ist „Rapid Prototyping“?

„Rapid Prototyping“ bezeichnet eine möglichst einfache, schnelle und kostengünstige Methode, um aus abstrakten Ideen konkrete Lösungsvorschläge zu entwickeln. Das Konzept erlaubt eine kollaborative Zusammenarbeit und ermöglicht es, bereits in einem frühzeitigen Entwicklungsstadium Schwächen eines Produkts zu erkennen und wertvolles Feedback von potenziellen Kunden einzuholen. Bislang wird Rapid Prototyping vor allem von Unternehmen wie Google, Amazon und Apple genutzt. Als Designmethode kann das Erstellen eines digitalen Prototyps aber auch bei der Entwicklung von Legal Tech-Tools eine neue Perspektive schaffen.

Aufgabe der teilnehmenden Studierenden war es nun, mit diesem neu erlangten Wissen in kleinen Teams einen ersten digitalen Prototyp zu entwerfen. Die Anwendungen orientierten sich dabei stark an tatsächlichen Problemen aus dem Kanzleialltag, waren letztlich aber fiktional:

  1. Digitaler Workstream: Die ersten beiden Gruppen wurden von der Praxisgruppe „Digital Business“ mit der Erstellung eines Tools beauftragt, das den jeweiligen Arbeitsstand einzelner Teams in der komplexen Beratung einer internationalen Großbank digital abbilden sollte. Diese hatte die Kanzlei zuvor mit einer umfassenden Umstrukturierung ihrer Geschäftsorganisation mandatiert. Bei der Beratung des Mandanten war eine Beteiligung zahlreicher Experten aus verschiedenen Praxisgruppen erforderlich, deren Koordination sich als besondere Herausforderung herausstellte. Aufgabe der Teilnehmerinnen und Teilnehmer war es daher, ein Tool zu entwerfen, dass alle vom Mandanten zur Verfügung gestellten Informationen für alle Bearbeiter zugänglich macht und den gesamten Arbeitsprozess digital darstellt.

  2. Digitales Knowledge-Management-Tool: Angesichts der stetig zunehmenden Regulierungsdichte im Bereich der Financial Services sah sich die Praxisgruppe Regulatory dazu veranlasst, ein Knowledge–Management-Tool für das kanzleiinterne Intranet in Auftrag zu geben. Drei weitere Teams sollten daher eine Anwendung entwerfen, die es Anwältinnen und Anwälten bei der Beratung von Banken, Kreditinstituten und Versicherungen ermöglicht, neben der Mandatsarbeit dauerhaft auf dem neusten Stand zu bleiben und sich über aktuelle Rechtsprechung und Gesetze zu informieren. Neben sofortigen Benachrichtigungen bei relevanten Änderungen, sollte das möglichst benutzerfreundliche Tool außerdem einen zentralen, digitalen Ablageort für neue Dokumente bieten und geeignete Ansprechpartner festlegen.

  3. Digitaler Fristenkalender: Insbesondere in Massenverfahren war es für Anwältinnen und Anwälte bisher schwierig, einen Überblick über einzuhaltende gerichtliche und außergerichtliche Fristen zu behalten. Eingehende Fristen wurden in Excel-Tabellen festgehalten und wöchentlich an die Mitarbeiter des Litigation-Teams verschickt. Aufgabe der letzten beiden Teams war es daher, diesen langwierigen und fehleranfälligen Arbeitsprozess effizienter zu gestalten. Sie sollten einen digitalen Fristenkalender entwerfen, der den jeweils zuständigen Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälten einen Überblick über dringende Verfahren, generelle Arbeitsbelastung und Supportzuteilung verschafft.

Das Tool sollte sich dabei nach Möglichkeit beim Eingang neuer Fristen und dem Versand fertiger Schriftsätze automatisch aktualisieren.

 

Schnell erhielten die ca. 35 Teilnehmer die Möglichkeit, erste Konzeptideen zu visualisieren und sich von den anderen Gruppen Feedback einzuholen. In Diskussionen wurde an den Ideen gefeilt und fleißig skizziert. Im nächsten Schritt begannen die Gruppen damit, die zuvor entworfenen Sketches, also Entwürfe, zum Leben zu erwecken. Dabei kam es nicht darauf an, ein vollständig funktionsfähiges Tool zu entwickeln. Vielmehr sollte mithilfe einer Software ein visuell möglichst realitätsnaher Prototyp erstellt werden, der eine Vorstellung der Kernfunktionen des Tools erlaubt.

Im Anschluss an die Arbeitsphase erhielten die sieben Gruppen die Möglichkeit, ihre Ergebnisse in einer kurzen fünfminütigen Präsentation vorzustellen. Anschließend beurteilte eine Jury aus Kanzleivertretern die Ergebnisse der Gruppen. Abgerundet wurde der Workshop durch den anschließenden Austausch mit Anwältinnen und Anwälten und anderen Teilnehmerinnen und Teilnehmern.

Fazit: Praxisnaher Legal Tech-Workshop

Durch meine Teilnahme am „Rapid Prototyping“-Workshop der studentischen Initiative recode.law wollte ich mehr über das Design-Konzept „Rapid Prototyping“ erfahren und die Gelegenheit nutzen, gemeinsam mit anderen Teilnehmerinnen und Teilnehmern einen ersten eigenen Prototypen für eine App zu erstellen. Praxisnahe Anwendungsbeispiele, sehr gute Impulsvorträge und hilfreiche Tipps der Mentoren machten die Veranstaltung von recode.law letztlich zu einem gelungenen Workshop, der einen Blick über den juristischen Tellerrand ermöglichte und seine Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit einer neuen Perspektive zurücklässt.

Fotos von: manorlux.de

Über den Autor: Steffen Kootz

Über den Autor: Steffen Kootz

Steffen Kootz ist Student an der Göttinger Georg-August-Universität Göttingen. Als Gründer und Vorstandsvorsitzender der studentischen Initiative eLegal setzt er sich gemeinsam mit seinen Kommilitonen für eine praxisnahe, zukunftsgerichtete und digitale juristische Ausbildung ein.

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Gründe gegen Jurastudium

Gute Übungsklausuren und trotzdem durchgefallen – Wie soll ich jetzt weitermachen?

Wie kann es im Jurastudium sein, dass man trotz intensiver Vorbereitung mit Übungsklausuren sein Examen nicht packt? Manchmal scheint es, als ob ihr selbst nur sehr bedingt beeinflussen könnt, wie eure Examensprüfungen tatsächlich ablaufen. In diesem Beitrag erfahrt ihr, wie ihr damit umgeht.

Gestern hatte ich ein Gespräch mit einer sympathischen Jurastudentin, die mir aus ihrem Leben erzählt hat. Sie hat in Vorbereitung auf ihr Examen viele Klausuren geschrieben, ein Repetitorium besucht, hat sich gut vorbereitet, und über 50 Übungsklausuren geschrieben – keine schlechter als 6 oder 7 Punkte. Dann hat sie ihr Examen geschrieben und hat jetzt vor vier Wochen ihre Ergebnisse zurückbekommen – sie ist durchgefallen. Das ist mal wieder so ein typischer Fall von: „Jura is a bitch!“ Damit kann nun wirklich keiner rechnen. Wie geht man mit solchen Fällen um?

Umgang mit Übungsklausuren: Sorgt euch nicht, aber seid euch nicht zu sicher!

Ihr wisst, im Jurastudium sollte man sich keine Sorgen machen, wenn man keine besonders tollen Übungsklausuren schreibt – aber man darf sich auf der anderen Seite auch nicht zu sehr in Sicherheit wiegen, wenn man regelmäßig gute oder sehr gute Ergebnisse erzielt, denn abgerechnet wird am Ende in der Examensprüfung. Das ist krass, aber das ist Jura. Ich habe der Jurastudentin erzählt, dass es bei mir tendenziell eher andersherum war. Ich bin in den Übungsklausuren im Repetitorium häufig durchgefallen. Dabei habe ich ungefähr jede Woche eine Klausur geschrieben und war dann im Examen deutlich besser als in den Übungsklausuren. Es kann eben auch andersherum sein!

Wie nach Schock trotz guter Übungsklausuren umgehen?

Was habe ich der Jurastudentin geraten? Ich habe zu ihr gesagt: „Ich kann sehr gut nachvollziehen, dass du in so einer Situation wirklich keinen Bock mehr auf Jura hast. Du wiegst dich in Sicherheit, du denkst: ‚Jura macht Spaß, ist cool und interessant. Ich hab Examens-Übungsklausuren, die funktionieren, ich mach‘ mir keine Sorgen‘. Doch plötzlich kriegt man im Examen so einen Schlag auf den Hinterkopf, dass es sich nur so dreht. Man stellt alles in Frage!” Ich kann mir vorstellen, dass es dann beim zweiten Anlauf echt schwierig ist, sich zu motivieren. Man hat immer so „ein Teufelchen“ auf der Schulter, das sagt: „So wie du lernst, hat es beim letzten Mal nicht geklappt. Das wird nicht reichen.“ Dagegen anzukämpfen, darauf sollte man die ganze Energie stützen!

Nach der Examensniederlage Abstand nehmen!

Ich rate niemandem dazu, Jura zu studieren, wenn sie oder er es nicht selbst will. In solchen Situationen empfehle ich, mit genügend Abstand – auch mit ein bisschen Urlaub – sich über folgende Fragen Gedanken zu machen: Was ist eigentlich mein Ziel? Was will ich machen? Hab ich die ganze Zeit schon mit meinem Jurastudium gehadert und ist vielleicht jetzt die Quittung dafür gekommen, dass ich auf dem „falschen Dampfer“ war? Oder stelle ich nach einer kleinen Auszeit fest: „Ne, das lief zwar alles katastrophal, aber Jura ist trotzdem das, was ich machen will! Deshalb werde ich jetzt meine Zähne zusammenbeißen und noch mal mit Vollgas ranklotzen.“

Was ich in dieser Situation nicht machen würde ist, mit dem Lernen sofort weiterzumachen.  In seinem Innersten hat man so viel Gegenwind und negative Energie in sich. Genau das habe ich im Telefonat mit der Jurastudentin gemerkt: Diese Fassungslosigkeit war immer noch da.  „Das kann doch nicht sein, dass ich jetzt so eine Quittung bekomme!“ Wer gegen eine solche negative Energie ankämpfen muss, wird nicht vorankommen.

Niederlage nutzen, um Kompass neu auszurichten

Um diese Hürde zu überwinden, solltet ihr deswegen erst „den Kompass neu ausrichten“ und überlegen: Warum will ich das Ganze? Was kann ich damit machen? Welchen Job möchte ich später machen? Ist Jura wirklich das, was ich machen will? Und wenn ich sage „Ja, das ist genau das, was ich machen will und ich bin auch nicht zu doof, dann muss man an der inneren Einstellung – am Mindset – arbeiten und sagen: „Vielleicht hatte ich einen Blackout oder ich habe den mentalen Druck nicht durchgehalten.“

Wenn man einmal trotz intensiver Vorbereitung durch das Examen gefallen ist, ist das mit Sicherheit eine Riesen-Herausforderung, diesem Druck über mehrere Tage standzuhalten und jeden Tag wieder aufs Neue zu sagen: „Egal wie beschissen die Klausur gestern war, egal wie beschissen die Klausur vorgestern war: Heute ist ein neuer Tag und heute gebe ich Vollgas.“ Das ist das Wichtigste – sich in so einer Situation mental zu stärken und sich über folgende Frage im Klaren zu werden: Warum will ich Jura studieren und traue ich mir das selbst zu?

Wenn man durchgefallen ist, würde ich das ein bisschen sacken lassen. Dann ist der Druck auch nicht mehr so hoch. In diesem Falle kann man die ein oder andere Klausur ruhig ein bisschen schieben. Auf drei Monate mehr oder weniger kommt es nicht an. Stattdessen kommt es eher darauf an, seine innere Stärke und Überzeugung aufzubauen und zu wissen, dass man auf dem richtigen Weg ist –  und dann gilt es,  noch mal Gas zu geben!

Dennoch: Übungsklausuren sind das objektivste Mittel zur Examensvorbereitung!

Abgesehen davon sollte man sich bewusst machen: Übungsklausuren – das ist definitiv objektiver als die ganze Lernerei. Ich empfehle, mindestens einmal pro Woche eine Klausur unter Examensbedingungen zu schreiben, also ohne Hilfsmittel. Eventuelle Fehler sollte man hier auch regelmäßig nacharbeiten. Das ist aus meiner Sicht tatsächlich der objektivste Maßstab für die Vorbereitung. Wer sich dann sagen kann: „Ja, das ist wirklich das, was ich machen will!“ Dann glaub an dich! Wenn du es bis zur Zulassung des Examens geschafft hast, wird es danach auch nicht scheitern. Wenn du dann scheiterst, dann scheiterst du nur wegen deiner Einstellung.

Insofern: Haltet alle durch, die ihr vielleicht in einer ähnlichen Situation seid. Lasst euch von Jura nicht kleinkriegen! Ganz ehrlich, das haben schon andere geschafft!

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Foto: Adobe Stock/ HEIDEMARIE

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Jurastudium scheitert

Warum scheitert das Jurastudium? Drei Gründe

In diesem Beitrag soll es nicht darum gehen, das Scheitern im Jurastudium herbei zu beschwören! Stattdessen nenne ich hier die häufigsten Stolpersteine, die Scheitern im Jurastudium begünstigen können und wie Ihr diese vermeiden könnt.

Jede Studienphase hat einen anderen Stolperstein

Welche der drei Stolpersteine einem im Jurastudium begegnen, hängt natürlich auch davon ab, in welchem Stadium man sich im Studium befindet: Ist man noch ganz am Anfang des ersten Semesters und  hatte vielleicht noch gar keine Berührungen mit den wirklichen Herausforderungen? Ist man gerade in der Mitte und widmet sich dem Schwerpunktbereich? Vielleicht bist du aber auch schon in der Examensvorbereitung und siehst den Wald vor lauter Bäumen nicht?

Jura-Stolperstein Nr. 1: So viel Lernstoff!

 „Dominik, das ist so viel Stoff! Wie soll man das alles lernen?“ höre ich oft von meinen Zuschauern. Ja, es ist richtig. Jura ist unfassbar viel Stoff. Das wird einem erst bewusst, wenn man schon mittendrin ist – vergleichbar mit jemandem, der in einem Sumpf steckt und versucht, sich irgendwie zu befreien und dabei immer tiefer und tiefer sinkt. Man merkt es erst nach und nach. Schließlich ist es ja nicht so, dass man im ersten Semester den ganzen Stoff für das ganze Studium auf den Tisch geknallt bekommt und sagt: „Oh, das ist aber viel!“ Stattdessen fängt es sachte an. Man beschäftigt sich ein bisschen mit Strafrecht, Zivilrecht, ein bisschen mit Öffentlichem Recht…und irgendwann kommt die Erkenntnis: „Oh, das wird aber viel!“ Bis man sich in der Examensvorbereitung wiederfindet und feststellt: Die ganze Bandbreite ist verdammt viel – aber davon darfst du dich nicht einschüchtern lassen!

Lass die Methodik hinter dem Jurastudium nicht außer Acht

Im Jurastudium geht nicht darum, das ganze Zeug auswendig zu lernen. Jura ist nicht wie vielleicht Medizin (Ich habe Medizin nicht studiert, aber kenne Leute, die es getan haben), Magisterstudiengänge oder Bachelor- und Masterstudiengänge, bei denen man auswendig lernt und einfach wiedergibt. Bei Jura geht es darum, Wissen anzuwenden und die Methodik zu verstehen – sich eine juristische Denkweise anzueignen. Was ist Subsumtion? Wie funktioniert das eigentlich, einen individuellen Sachverhalt auf ein Gesetz herunter zu brechen und zu prüfen: Fällt der Sachverhalt unter dieses Gesetz oder nicht? Das ist die juristische Arbeitsweise.

Gesetze statt Lehrbücher lesen!

Natürlich muss man im Jurastudium extrem viel Wissen ansammeln und parat haben, aber viel wichtiger ist die Arbeit mit dem Gesetz. Lass dich von dem Stoff nicht einschüchtern, sondern triff die Entscheidung, so viel wie möglich mit dem Gesetz zu arbeiten. Verlier dich nicht in irgendwelchen Lehrbüchern, die du Stunden lang liest. Komm gar nicht auf die Idee, ein Lehrbuch von Anfang bis Ende durchzulesen, das hab ich im ersten Semester auch gemacht, zum Beispiel im Strafrecht. Völliger Quatsch! Am Anfang deines Studiums weißt du nämlich gar nichts mit diesen Problemen anzufangen. Werfe lieber einen Blick ins Inhaltsverzeichnis, um dir einen Überblick zu verschaffen.

Lies dich durchs Gesetz, mach dir eigene Gedanken dazu und denk daran: Wenn ein Paragraph zwei Absätze hat, dann haben diese wahrscheinlich auch unterschiedliche Inhalte. Gehe also nie davon aus, dass Absatz 2 komischerweise das Gleiche regelt wie Absatz 1. Überleg dir, was könnte das denn sein? Was könnte der Unterschied zwischen Absatz 1 und Absatz 2 sein? Mach dir deine eigenen Gedanken. Lass dich vom Stoff nicht einschüchtern, sondern lerne, dass das Gesetz für dich sowas wie das Rückgrat ist. Wenn du gut mit dem Gesetz arbeiten kannst, wirst du auch irgendwie den Stoff in den Griff bekommen. Verlier dich nicht in Lehrbüchern, lerne Lehrbücher nicht auswendig, sondern nutze Lehrbücher nur punktuell und nur da, wo es nötig ist.

Jura-Stolperstein Nr. 2: Klausurangst

Das führt direkt zum zweiten Stolperstein im Jurastudium – die Angst vor Klausuren. Was ist, wenn eine Klausur dran kommt, die ich nicht kenne? Antwort: Ist überhaupt nicht schlimm! Wahrscheinlich kennt ein Großteil derjenigen, die mit dir diese Klausur schreiben das Thema auch nicht. Mach dich nicht verrückter als es unbedingt sein muss. Wenn du gelernt hast, mit dem Gesetz zu arbeiten, wirst du jede Klausur lösen. Pflanz dir aber selbst nicht eine Blockade ins Hirn, die dir sagt: „Ich kann die Klausur nicht lösen, weil ich das nicht gelernt habe und überhaupt…Ich habe Prüfungsangst…“ Sag dir stattdessen: „Jede Klausur hat eine Lösung!“ Wenn du diesen Grundsatz verinnerlichst, wirst du in der Klausur so lange überlegen und daran herumknabbern bis du eine Lösung gefunden hast. Verlier auf keinen Fall die Nerven in der Klausur!

Jede Klausur hat eine Lösung!

Lerne in der Klausur, das anzuwenden, was du zur Verfügung hast – vielleicht ein bisschen Wissen, das du dir angelesen hast, oder vielleicht fällt dir auch tatsächlich eine Entscheidung ein, die grob in eine Richtung ging, aber arbeite vor allem mit dem Gesetz. Wenn du eine Entscheidung im Kopf hast, prüfe trotzdem nochmal den Fall. Lass dich nicht leiten von einem Ergebnis, das du im Kopf gespeichert hast, denn bei Jura zählt nicht das Ergebnis!

Wenn das Ergebnis richtig ist, aber der Weg dahin falsch, weil die Argumentation inkonsequent ist, bringt das überhaupt nichts. In der Klausur kommt es darauf an, dass der Weg der Argumentation konsequent und stringent ist; das heißt gut begründet. Dann kommst du auch zu einem Ergebnis. Am Ende kannst du dies noch mal prüfen: Passt das zu meinem Rechtsgefühl? Nimm in jedem Falle das Ergebnis als das, was es ist – das Ende eines Prüfungsweges. Aber habe keine Angst vor Klausuren! Jede Klausur hat eine Lösung.

Jura-Stolperstein Nr. 3: sich einschüchtern lassen

Der dritte Stolperstein ergibt sich dadurch, dass Jurastudierende eingeschüchtert sind, weil sie Angst haben, dass sie die guten Noten nicht erreichen und deswegen nie einen Job bekommen. Ihnen wird ständig beigebracht: Es ist so wahnsinnig schwierig, gute Noten zu bekommen. Sie fragen sich: Wie soll ich das alles schaffen? Wie soll ich mir den ganzen Stoff merken? Wie soll ich die ganzen Klausuren gut schreiben?

Ich sage: Wenn du es wirklich willst, wenn du Jura studieren und deinen Abschluss machen willst, dann gibt es nur einen Weg, um dich diesen Ängsten zu stellen: Arbeit. Setz dich in die Bibliothek und fang an, mit dem Gesetz zu arbeiten. Schreib deine ersten Übungsklausuren und lies nicht in Lehrbüchern, um dir selber vorzutäuschen, dass du gerade am Lernen bist. Fordere dich heraus, löse Klausuren eigenständig ohne Lösungsskizze und prüfe hinterher: Was steht in der Lösungsskizze? Arbeite nach. Wenn du dich einmal herausgefordert hast, wirst du auch Schritt für Schritt immer besser – glaub mir!

Nicht aufschieben, machen

Man sieht immer nur das, was man noch nicht kann. Auch kurz vor dem Examen werden die meisten denken: „Oh Gott, ich kann Erbrecht nicht! Oder Familienrecht, das hab ich nicht gemacht…“ In der Regel erkennt man nie das, was man schon gelernt und verstanden hat, welchen Weg man schon zurückgelegt hat. Deswegen, mach dir das ruhig immer bewusst!

Überleg dir, was du am Anfang wusstest, wo dein Stand war und wo du jetzt bist. Das muss man sich leider selbst immer wieder „mit Gewalt eintrichtern“. Sonst denkt man immer nur: „Ich hab immer noch nicht alles verstanden, deswegen schieb ich die Klausur noch mal auf…“ Aber das ist ein Irrglaube, denn Arbeit dehnt sich immer in dem Maße aus, wie viel Zeit für sie zur Verfügung steht. Wer für seine Examensvorbereitung vier Jahre hat, wird vier Jahre brauchen und trotzdem nicht fertig werden. Wer ein Jahr zur Verfügung hat, wird sich in diesem Jahr disziplinieren und das Ding durchziehen. Lass es nicht so weit kommen!

Gehe erhobenen Hauptes durch das Jurastudium. Du hast es dir ausgesucht. Wenn du aber sagst: Ich habe wirklich keinen Bock mehr – nicht: Ich schaffe es nicht, sondern: Ich will nicht mehr, dann ist das deine Entscheidung – triff sie aber weise und bewusst!

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Jurastudium Reform

Was im Jurastudium zu kurz kommt – Initiative will Lehre umkrempeln

Im Jurastudium wird man mit Lernstoff zugeschüttet. Doch was zeichnet gute Juristerei wirklich aus? RA Arnim Rosenbach, Lehrbeauftragter für die LMU München und der Berliner Humboldt Universität , will mit “Lege Artis” mehr Methodik und weniger Büffelei in die Juristenausbildung bringen. Im Fachgespräch mit Dr. Dominik Herzog verrät er, was es damit auf sich hat. “Was im Jurastudium zu kurz kommt – Initiative will Lehre umkrempeln” weiterlesen

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Jobmesse Juracon

Was bringen Jobmessen wirklich? Video zur JURAcon 2019

Wie findet man nach dem Studium Kontakt zu potenziellen Arbeitgebern? Welche Möglichkeiten gibt es für Juristen neben der klassischen Kanzleikarriere? Mit diesen und ähnlichen Fragen tummeln sich Besucher/innen auf Jobmessen. Doch was bringen diese wirklich?
“Was bringen Jobmessen wirklich? Video zur JURAcon 2019” weiterlesen

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Jurastudium Reform

Was im Jurastudium zu kurz kommt – Initiative will Lehre umkrempeln Teil 2

Neues Juraseminar soll Abhilfe schaffen

D: Es wird nicht gelehrt, aber funktioniert es denn? Mit wie vielen Teilnehmerinnen und Teilnehmern machst du den Kurs ungefähr?

AR: Maximal zwölf. Das liegt aber an unserem Format.

D: Und wie viele hast du schon über die Dauer begleitet?

AR: Viele hunderte. Gezählt habe ich sie nicht.

D:  Hast du Feedback darüber bekommen, ob es funktioniert oder nicht funktioniert? Also, ob die Leute hinterher schlechtere Noten haben als vorher?

AR: Offen gestanden ist das Feedback euphorisch. Mir haben Studierende geschrieben: „Ich könnte die Welt umarmen. Heute habe ich endlich einmal etwas gelernt, was mir hilft.“  Oder ein anderer Studierender schreibt mir: „Ich habe jetzt gerade meine Examensnoten in der Hand. Ich kann es immer noch nicht fassen. Ich habe meine 9 Punkte erreicht. Du hast meine Arbeitsweise grundlegend verändert.“ Andere sagten: „Ich habe in Zivilrecht jetzt 16 Punkte im Examen und der Korrektor hat dann geschrieben, der Kandidat habe schon beim Schreiben gewusst, dass ihm etwas Schlüssiges und Zusammenhängendes gelingt.“ Das ist also das Schöne, das dieses Konzept nicht nur mit Gesetz und Recht übereinstimmen, sondern dass das für die Studierenden in der Prüfung und dann in der Berufspraxis genau die Ergebnisse liefert, die es haben soll, nämlich juristisch überzeugende Ergebnisse. Und was ist das Überzeugende? Dass die eigene Subjektion eben mit den gesetzlichen Bestimmungen in Übereinstimmung steht und deswegen überzeugt.

Methodik beherrschen statt Auswendiglernen

D: Da ist es geradezu unverständlich, dass dieser Teil im Jurastudium zu kurz kommt. Du hast diesen Kurs ins Leben gerufen und er findet jetzt in Kürze statt. Die Termine verlinken wir unter dem Video. Er ist für Studierende völlig kostenlos, weil er von der Uni ausgerichtet wird (Lehrauftrag). Wir haben uns vor kurzem schon mal darüber unterhalten, dass eigentlich die Methodik das Wichtigste  ist. Sie ist das, was man als Juristin oder Jurist am Ende des Studiums beherrschen muss. Sie wird ganz offensichtlich nicht in dem Umfang gelehrt, wie es eigentlich notwendig wäre. Du schließt diese Lücke mit deinem Kurs. Was soll denn mit „Lege Artis“ zukünftig noch passieren? Was ist deine Vision?

 Lege Artis – Verein für mehr Methodik im Jurastudium

AR: Die Vision ist, dass sich dieses pädagogische Konzept in der allgemeinen Juristenausbildung verbreitet. Also, wenn Frau Gierhake zutreffend fordert, Reduktion des Stoffes um die Hälfte, fragt man sich: Was wird in der restlichen Zeit Zeit gelehrt? Die Antwort:  Methodentraining, konzeptionelle Vermittlung und dann Training! Denn nur so wird die Juristin bzw. der Jurist zum/zur Juristin/Juristen, indem sie oder er nämlich souverän mit dem Gesetz umgehen kann. Und dieses Konzept soll sich innerhalb der Ausbildung verbreiten. Es steht die Gründung eines eingetragenen Vereins bevor, der Gemeinnützigkeitsanerkennung erhalten wird. Das ist mit dem Finanzamt schon abgestimmt und das ist dann die Plattform dafür, dass Interessierte sich dann engagieren können, diese Methode kennen lernen, respektive auch dann Trainer werden (damit sich das weiter herumspricht), Vorträge halten und am Ende Professoren dafür gewinnen, als Unterstützer aufzutreten. Einige konnte ich schon davon überzeugen.

Zum Beispiel Professor Reinhard Greger, den ZBO Kommentator und ehemaliger Richter am BGH. Der hat sich riesig gefreut, dass endlich jemand genau das macht, was er auch schon immer propagiert hat. Letztlich soll dieser Verein die Plattform der Juristinnen und Juristen sein, die ihre Arbeit überzeugend tun, überzeugend erklären können und damit Träger dieses fantastischen demokratischen Rechtsstaats sind, der eine der schönsten Verfassungen der Welt hat, der aber in seiner Existenz eben nicht selbstverständlich ist. Als Leitsatz steht da das Wort des ehemaligen Bundesverfassungsrichters Wolfgang Böckenförde, also die sogenannte Böckenförde-Doktrin, wonach der weltliche Staat die Voraussetzungen seiner eigenen Existenz nicht garantieren kann. Ein freiheitlicher Staat kann, weil er freiheitlich ist, die Bürger zu nichts zwingen. Will heißen, die Bürger müssen, um diesen Staat so zu erhalten, selbst tragen. Am Ende sind das unsere eigenen Gedanken, mit denen wir dieses Staatsgebilde tragen und so zielt die „Lege Artis“ academy auf Juristen und andere Seelen ab,  die diesen Staat befürworten und durch ihr Handeln und durch ihre Kräfte mittragen.

Gute Juristinnen und Juristen sorgen für einen guten Rechtsstaat

D: Unterm Strich lässt sich also zusammenfassen: Man kann das System, in unserem Fall das Jurastudium, kritisieren, aber damit ist es nicht getan, sondern man muss auch letztlich am Ende etwas dafür tun, dass es besser wird. Man muss auch einen Verbesserungsvorschlag präsentieren und dafür kämpfen. Das tust du mit „Lege Artis“, mit der Academy, mit dem gemeinnützigen Verein. Es geht darum, dass diese Methode viel zu kurz kommt. Ziel muss es sein, sie systematisch  über die Universitäten in ganz Deutschland zu verbreiten, damit es voran geht . „Lege Artis“, die Academy, hat eine Webseite, die werden wir unter diesem Beitrag  in der Infobox verlinken.

Nicht nur Studierende und Juristinnen bzw. Juristen, sondern auch fertig ausgebildete Anwältinnen und Anwälte oder Menschen mit dem ersten Examen sind dazu aufgerufen, wenn sie möchten, dieses Projekt zu unterstützen. Es geht wirklich darum, das Jurastudium methodischer werden zu lassen. Das betrifft die, die es lernen sollen und genauso die, die das als Multiplikatoren verbreiten können. Ich finde, das ist eine sensationelle Sache und definitiv etwas, was ich aus eigener Erfahrung bestätigen kann. Das kommt viel zu kurz! Auch alles, was mit Repetitorien etc. zu tun hat: Man verliert sich im Stoff und die Methodik kommt zu kurz – das muss geändert werden!

AR: Ich möchte mit einem Wort von Erich Kästner schließen. Er ist nicht nur ein grandioser Kinderbuchautor, sondern ein wirklich weiser Mann, der sagte: „Wissen ist Macht?  Falsch gedacht! Wissen ist wenig, Können ist König!“

D:  Besser hätte ich es nicht zusammenfassen können. In diesem Sinne, guckt euch „Lege Artis“ genau an! Alle Infos und natürlich auch das Editorial von Frau Professor Gierhake findet ihr in der Infobox dieses Beitrags.

Lieber Arnim, vielen herzlichen Dank, dass ich hier sein durfte.

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Foto: Adobe Stock/pla2na

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