Das lernt man bei der Legal Tech Competition, aber nicht im Studium – Nico Kuhlmann im Interview

Spätestens bis zum 08. August können Studierende Ideen für die von der Kanzlei Hogan Lovells ins Leben gerufene Legal Tech Competition 2019 einreichen. Im Interview erklärt Associate Nico Kuhlmann als Initiator des Wettbewerbs, welche Kriterien eine Erfolgsidee erfüllen muss und warum interdisziplinäres Arbeiten als Zukunftskompetenz im Jurastudium vermittelt werden sollte.

Herr Kuhlmann, warum sollten Jurastudierende am Wettbewerb teilnehmen?

Um nicht nur über die digitale Transformation zu sprechen, sondern diesbezüglich vielmehr selbst eine aktive Rolle einzunehmen. Legal Tech hat eine enorme Bedeutung für die Zukunft des Rechtsmarkts. Studierende sollten möglichst früh ein Gefühl dafür bekommen, was die Digitalisierung bedeutet und was nicht. Dies klappt am besten, wenn man selbst die Ärmel hochkrempelt und versucht, eine eigene Idee durch ein digitales Tool umzusetzen.

Welche Ziele verfolgen Sie als Kanzlei mit dem Wettbewerb?

Wir wollen der nächsten Generation von Juristinnen und Juristen einen Anreiz geben, sich aktiv mit der Digitalisierung auseinanderzusetzen. Darüber hinaus freuen wir uns natürlich aber auch, durch diesen Wettbewerb mit engagierten, experimentierfreudigen und zukunftsorientierten Jungjuristinnen und Jungjuristen in Kontakt zu kommen.

Hogan Lovells will sicherlich auch von den Ideen der Studierenden profitieren. Wie weit behalten die Bewerberinnen und Bewerber Mitspracherecht für ihre Idee?

Für uns ist es natürlich sehr spannend zu sehen, auf welche Ideen die Teilnehmenden gekommen sind und welche Lösungsstrategien diese entwickelt haben. Wir als Kanzlei profitieren aber von den Ideen ökonomisch in keiner Weise. Sämtliche Rechte verbleiben bei den Teams. Im Gegenteil, wir bieten ihnen vielmehr an, diese weiter zu fördern, Feedback zu geben und Kontakte herzustellen. Ein Rechteübergang an uns findet aber nicht statt.

Aus welchen Expert/innen setzt sich die Jury dieses Jahr zusammen?

Wir konnten wieder eine sehr hochkarätige Jury zusammenstellen. Wir haben Jurymitglieder aus der Industrie, von einer Universität, aus der Kanzleiwelt, aus der Medienbranche sowie aus dem Staatsdienst. Die Jury besteht im Übrigen aus vier Frauen und einem Mann. Namen verrate ich aber noch nicht. Die werden erst kurz vor dem Finale bekanntgegeben.

Welche Qualitäten brauchen die Ideen, um vor der Jury Bestand zu haben?

Im Mittelpunkt steht das digitale Tool, das ein beliebiges bestehendes Problem auf dem Rechtsmarkt lösen kann. Besonders interessant sind vor allem Tools, die Bedürfnisse befriedigen, die bisher gar nicht oder nicht ausreichend befriedigt werden und dadurch den Zugang zum Recht verbessern. Dabei muss das Tool nicht sämtliche Sonderprobleme adressieren. Es geht vielmehr darum, das Tool mit den wichtigsten Kernfunktionen auszustatten (sog. Minimum Viable Product). Demgegenüber ist es unerheblich, ob sich das Tool an Juristen/innen oder rechtssuchende Nichtjuristen/innen wendet. Auch die ökonomische Verwertbarkeit sowie die Realisierbarkeit eines damit zusammenhängenden Geschäftsmodells stehen nicht im Mittelpunkt. Es geht um Problemlösung, nicht ums Geldverdienen.

Wo liegen die Herausforderungen bei einem solchen Wettbewerb?

Die Herausforderungen liegen vor allem im Perspektivwechsel und der Interdisziplinarität. Juristinnen und Juristen werden dazu ausgebildet, Probleme zu lösen, indem sie angestrengt nachdenken und den Sachverhalt gegebenenfalls in einem Kommentar nachschlagen. Die Tatsache, dass sich Probleme auch anders lösen lassen ist leider für viele Studierende immer noch Neuland. Zudem setzt die Umsetzung einer entsprechenden Idee meist voraus, dass sich die Juristinnen und Juristen mit Entwicklerinnen und Entwicklern zusammentun. Diese Entwickler/innen muss man aber erst einmal finden und anschließend davon überzeugen, dass Jura interessant ist und es sich lohnt, sich damit zu beschäftigen. Schließlich muss man sich in einem interdisziplinären Team organisieren und verständigen können. Auch dies sind leider zwei Fähigkeiten, die im Jurastudium kein Ausbildungsinhalt sind.

Was ist aus den Gewinnern von 2018 geworden? Wie haben sich die Teams inzwischen mit ihren Ideen weiterentwickelt?

Die erste Hogan Lovells Legal Tech Competition im Jahr 2018 hat das Team NEUNZEHNVIER.GG von der Munich Legal Tech Student Association aus München gewonnen. Wir sind immer noch regelmäßig im Austausch und alle Teilnehmenden hatten großen Spaß. Der Mehrwert für dieses Team waren vor allem die Erfahrungen, die die Teilnehmenden bei der Erstellung des Tools gesammelt haben. Das sage nicht ich, das sagt das Team selbst, wie man ausführlich im Erfahrungsbericht der ML Tech nachlesen kann.

Herr Kuhlmann, ich danke vielmals für das Gespräch!

Details und Vorraussetzungen zur Legal Tech Competition 2019

Hogan Lovells-Wettbewerb: Entwickelt ein Legal Tech-Tool!

 

Video zur Legal Tech-Competition 2018

Foto: Hogan Lovells 

Nico Kuhlmann ist Associate bei der Kanzlei Hogan Lovells in Hamburg. Er beschreibt sich selbst als engagierten Legal Tech-Enthusiasten, organisiert Meetups und bloggt rund um das Thema Digitale Transformation der Rechtsberatungsbranche. Neben Legal Tech liegen seine fachlichen Schwerpunkte außerdem beim Gewerberecht sowie dem Marken-, Urheber- und Wettbewerbsrecht. Noch mehr über Nico Kuhlmann

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