Bachelor Legal Tech

Der Legal Tech-Markt ist ein Wachstumsmarkt – aber können Absolventinnen und Absolventen eines klassischen Jurastudiums die steigende Nachfrage des Marktes noch ausreichend abdecken? Die Universität Passau bietet ab dem Wintersemester 2020/2021 den neuen interdisziplinären Bachelor Legal Tech an. Hier findet ihr die wichtigsten Infos zum neuen Studiengang.

Warum sollte ich Legal Tech studieren?

Der neue Studiengang, der erstmalig zum Wintersemester 2020/2021 an der Uni Passau angeboten wird, richtet sich an Menschen mit Doppelinteresse: Einerseits sollten sich Bewerberinnen und Bewerber für das Recht interessieren und Spaß daran haben, juristische Problemstellungen zu lösen . Aber auch an der Digitalisierung und, wie man neue Technik sinnvoll im Rechtsbereich einsetzt, sollte grundsätzliches Interesse herrschen. Damit reagiert die Uni Passau auf eine erhöhte Nachfrage am Arbeitsmarkt, die kürzlich durch eine Legal Tech-Umfrage aufgedeckt wurde. Dort gaben 68 Prozent der befragten Juristinnen und Juristen an, dass sie die größten Herausforderungen in den wachsenden Anforderungen an ihre IT-Kompetenz sehen.

Diese wird aber immer wichtiger denn – so erläutert Prof. Dr. Michael Beurskens in einem Informationsvideo zum neuen Studiengang – viele Trivialtätigkeiten werden künftig keine Menschen mehr erfordern und damit Anwältinnen und Anwälten keinen Umsatz mehr einbringen. Zudem sei der Legal Tech-Bereich im Vergleich zu anderen Märkten ein extremer Wachstumsmarkt. Seit Jahren werde dort eine steigende Nachfrage verzeichnet, die momentan von Absolventinnen und Absolventen der klassischen Studiengänge nur teilweise und wenig befriedigend abgedeckt werden kann.

Was kann man mit einem Legal Tech-Studium machen?

Die Regelstudienzeit für den neuen Bachelorstudiengang liegt bei acht Semestern. Mit dem Abschluss können AbsolventInnen für den Staat (Behörden und Gerichte) oder für private Unternehmen und Kanzleien tätig werden – in der Beratung, Konzeption und Unterstützung bei deren IT-Projekten für juristische Aufgaben.

Im Anschluss kann aber auch im In- oder Ausland ein Master gemacht werden, beispielsweise im IT-Recht. Nach dem Masterstudium, das in der Regel auf zwei Semester ausgelegt ist, können Absolventinnen und Absolventen dann als Compliance-Officer oder Datenschutzbeauftragte(r) arbeiten.

Für diejenigen, die nach dem Studium eine Anwaltskarriere anstreben möchten, bietet die Uni Passau zudem die Möglichkeit, parallel zum Bachelorstudiengang die Kurse zum Staatsexamen zu besuchen und damit am Ende der Ausbildung als Volljurist qualifiziert zu sein.

Wie läuft das Legal Tech-Studium ab?

Der Studiengang ist grundlegend interdisziplinär. Das bedeutet, dass Legal Tech-Studierende mit angehenden Wirtschaftsinformatikern bzw. Informatikern Vorlesungen besuchen – genauso aber auch mit angehenden Juristinnen und Juristen.

Prof. Dr. Michael Beurskens erklärt im Informationsvideo, dass der Studiengang sehr praxisorientiert konzipiert sei. Von Beginn an werden Studierende mit Anwendungsfällen „gefüttert“ und die Uni Passau verspricht, Kontakte zu Unternehmen und Personen herzustellen, die im Legal Tech-Bereich tätig sind.

Wie ist das Legal Tech-Studium aufgebaut?

Das Studium besteht aus drei Teilen: Hauptbestandteil sind die juristischen Veranstaltungen im Grund- und Hauptstudium – davon ausgenommen ist der Schwerpunktbereich. Der zweite Bestandteil ist der Bereich Legal-Tech – hier werden Themen wie Daten, Algorithmen, Netzwerke und IT-Sicherheit behandelt. Den dritten Bereich bildet das Fach Wirtschaftsinformatik. Neben Mathematik und Informatik werden hier auch wirtschaftswissenschaftliche Kompetenzen vermittelt.

Wie unterscheiden sich Bachelor und Staatsexamen voneinander?

Beim klassischen Jurastudium ist bekanntlich der Schwerpunkt auf das Ende gelegt, sodass die im Studium erbrachten Leistungen nicht unmittelbar in den Abschluss mit eingehen, sondern lediglich Voraussetzung für die Zulassung sind. Anders gehen beim Bachelorstudiengang Legal Tech alle Prüfungen mit in den Abschluss ein, allerdings mit einem geringen Anteil. Die Bachelorstudierenden werden von den Professoren geprüft, von denen sie auch unterrichtet wurden. Das Parallelstudium ist grundsätzlich möglich, sodass alle Veranstaltungen aus dem Bachelor auf das Jurastudium angerechnet werden können und umgekehrt.

Welche Inhalte des klassischen Jurastudiums fehlen beim Bachelor Legal Tech?

Statt den Grundlagenfächern deutsche und römische Rechtsgeschichte, Methodenlehre und Einführung in die Rechtswissenschaft, werden technische und ökonomische Verfahrenskenntnisse vermittelt. Außerdem fallen im Bachelorstudiengang Schlüsselqualifikationsveranstaltungen, wie Rhetorik oder Verhandlungsführung weg. Diese können in Passau aber selbständig nachgearbeitet werden, da es ein Zentrum für Karriere und Kompetenzen (ZKK) gibt.

Des Weiteren entfallen inhaltliche Vorlesungen wie Familien- und Erbrecht, sowie Übungen für Fortgeschrittene, Fremdsprachenkurse, der Schwerpunktbereich und natürlich die Examensvorbereitung. Entscheiden sich Studierende für ein Parallelstudium, können die genannten Veranstaltungen aber parallel oder nach dem Bachelorstudium besucht werden.

Reichen nicht Zusatzausbildungen oder Weiterbildungsstudiengänge für eine Legal Tech-Karriere?

Nein, argumentiert Prof. Beurskens, denn: nur im Legal Tech-Studium gibt es von Anfang an eine Verzahnung zwischen Rechts-, Wirtschaftswissenschaften und Informatik. Zudem seien Weiterbildungsstudiengänge, egal ob im In- oder Ausland, gebührenpflichtig. Auch sollte nicht angenommen werden, dass nur schlichte Anwendungsfelder vermittelt werden, sondern vielmehr umfassende juristische Grundlagenkenntnisse. Das Bachelorstudium Legal Tech bietet zudem die Möglichkeit, sich mit Menschen aus anderen Fachrichtungen zu vernetzen – und die kann im späteren Berufsleben von Nutzen sein.

Infos zum neuen Bachelorstudiengang Legal Tech

Abschluss: Bachelor of Laws LL.B.

Dauer: 8 Semester

Beginn: Wintersemester

Der Studiengang ist zulassungsbeschränkt (es werden 50 BewerberInnen zugelassen).

Alle relevanten Informationen findet Ihr auch hier.

Foto: Adobe Stock/©LeslieAnn