Jurastudium arbeiten

In meiner Reihe „Frag Dominik“ beantworte ich regelmäßig Fragen von Studierenden – die bei mir als Kommentare unter die YouTube-Videos geschrieben werden. Dort wurde ich in einer Session gefragt, ob es möglich ist, neben dem Jurastudium zu arbeiten – hier meine Einschätzung.

Geld nicht das wichtigste Argument

Meine klare Antwort: Ja! Natürlich ist es möglich, während des Studiums zu arbeiten. Das kann aus verschiedenen Gründen auch ziemlich sinnvoll sein. Zunächst einmal natürlich, weil man Geld verdient. Gerade in teuren Städten wie München, Frankfurt, Mainz, Wiesbaden. Wer dort wohnt weiß, dass es sich immer lohnt, sich ein bisschen was dazuzuverdienen. Aber das ist nicht der Hauptgrund. Geld ist wichtig, aber vor allem ist es gut, sich durch einen Nebenjob ein Netzwerk aufzubauen und anzufangen, Kontakte zu knüpfen. Das Netzwerk kann entstehen, wenn du in einer Kanzlei arbeitest – aber auch an der Uni, vielleicht für eine spätere Promotion. In der Kanzlei kannst du dich vielleicht ins Gespräch bringen, wenn es um eine Referendariatsstation geht, aber auch für einen späteren Job! Du kannst Kontakte knüpfen und dir ein Netzwerk aufbauen.

Job schafft erstes Netzwerk

Ich selbst war Mitarbeiter an einem Institut an der Uni und habe dort relativ früh ein Netzwerk aufgebaut. Ich war Student – viele, die dort gearbeitet haben, waren älter und haben promoviert. Die waren dementsprechend schon vier oder fünf Jahre weiter im Studium, und das war ein sehr belastbares Netzwerk, das ich bis heute pflege. Alle haben im Medienbereich geforscht und das war für mich extrem hilfreich. Allein schon wegen dieses Netzwerkgedankens macht das Sinn. Wenn man beispielsweise die Möglichkeit hat, in einer Großkanzlei zu jobben, kann man sagen: „Ja, ich habe so eine Großkanzlei mal von innen gesehen.“

Aber auch bei kleinen oder mittelständischen Kanzleien, wo man vielleicht sogar mehr in die tägliche Mandatsarbeit einbezogen wird, kann man richtig etwas dazulernen. Das ist der nächste Punkt: Ihr seht, wie so eine Kanzlei, ein Unternehmen oder ein Legal Tech-Start-Up, funktioniert. Wie sieht der Arbeitsalltag aus? Es ist nicht alles immer so theoretisch, wie man es im Studium lernt. Es geht auch darum, den Arbeitsalltag in einem Start-up oder einer Kanzlei mitzuerleben und zu erfahren, was da geleistet wird. Wenn das Unternehmen beispielsweise einen Webshop hat: Was sind denn da typische Kundenbeschwerden? Widerruf? Wie sieht so etwas eigentlich in der Praxis aus?

Auch durch administrative Aufgaben kann man viel lernen

Auch wenn es „nur“ administrative Tätigkeiten sind – Akten anlegen, Dokumente vorbereiten, Dokumente schwärzen – selbst dann kann man etwas lernen. Denn man erfährt, wie solche Dokumente in der Praxisaussehen. Wer ist denn dieser ominöse Mandant von dem man immer in den Vorlesungen hört? Wie funktioniert das Ganze? Das ist sehr, sehr hilfreich! Also: Kann man während des Studiums arbeiten? Klar! Ihr müsst vor allem zeitlich nicht von vornherein mit einer 50-Stunden-Woche rechnen. Wenn man eine gute Planung hat, dann kriegt man das auch bis zur Examensvorbereitung unter einen Hut.

Fazit: Arbeiten neben dem Studium ist möglich! Und man sollte diese Chance auf jeden Fall nutzen.

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